Abmahnung und Bildrechte

Aus Muli
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Die Zeiten haben sich drastisch geändert - heutzutage mal eben ein Bild aus der Bildersuche irgendwo online oder gedruckt zu verwenden, kann ganz schön in das Auge gehen und geht meistens in den dreistelligen Euro-Bereich oder noch mehr. Ebenso kann das lustige Teilen von anderen Inhalten wie Online-Beiträgen oder generell Texten unangenehme Konsequenzen haben, wenn man keine Rechte an den Texten besitzt, nicht der Verfasser ist, Zitat-Regeln nicht beachtet, falsche oder gar keine Quellangaben berücksichtigt und zudem nicht kontrolliert oder nachfragt, wie es überhaupt mit dem Teilen des Contents so ausschaut. Auch seine privaten Videos mit einer x-beliebigen Musik aus dem Netz zu verfeinern, ist einer der vielen weiteren, heute oft üblichen, Rechtsverstößen.

Bekannte Abmahn-Geschichten sind auch unglückliche User, die kleine Bilderchen von Essen geteilt hatten und dafür von einem Kochbuch-Herausgeber und Fotograf verklagt wurden. Oder User, die nur mal eben ein kleines Meme-Bild irgendwo zum Spaß verbreitet hatten. Oder zu einem MP3-Musik-Stück im Hintergrund singen und dies online publizierten. Und oft folgen solche Klagen unerwartet Jahre später, wenn man den eigenen Eintrag sogar selber bereits vergessen hat.

Prinzipiell ist es eigentlich einfach...

  • Habe ich das Foto selber gemacht?
  • Habe ich die Grafik selber erstellt?
  • Habe ich das Lied selber komponiert und gesungen?
  • Habe ich das Video selber aufgenommen und bearbeitet?
  • Habe ich den Text selber ausgedacht und geschrieben?
  • Habe ich das Programm, Webseite oder den Code selber erstellt?

Wenn ich hier irgendwo mit Nein antworten muss, dann Finger weg. Denn prinzipiell ist alles immer geschützt - ein Umstand, den kaum ein User heutzutage wirklich intus hat (was eigentlich schade und traurig ist). Dabei es ist egal ob ein Hinweis dabei steht oder nicht. Immer, wenn Jemand Etwas (Neues) erschaffen hat, ist er automatisch der Urheber, Autor und somit auch Copyright-Inhaber - dazu muss er selber nichts machen. Es ist einfach so.

Und er alleine hat somit das automatische, gültige Recht zu entscheiden, wann, wo und wie mit seinem Werk umgegangen wird. Und es ist egal, ob auf einer Webseite dabei steht "Alle Inhalte sind geschützt, blabla" - oder aber auch nicht... denn das sind sie sowieso von Grund auf immer, so gesehen bringt der Zusatz eigentlich nicht mal was, weil er unnötig ist. Es gibt vereinfacht gesagt prinzipiell kein von Grund auf ungeschütztes Material im Netz. Auch wenn uns das WWW mit seinen Suchmaschinen, Social Media Communities und Co. das irgendwie anders vorgaukelt und es anders erscheint, weil man ja überall zugreifen kann und alles sehen kann. Aber es ist dennoch so.

Daraus folgt also...

  • Nur wenn extra dabei steht, dass es von anderen Usern verwendet, geteilt oder verarbeitet werden darf... darf ich das auch.
  • Nur wenn die Originalquelle selber Teile/Share/Like-Möglichkeiten anbietet, kann ich diese verwenden.
  • Nur wenn eindeutig Lizenzen angeführt sind, die für das Werk gelten und mir eine Benützung einräumen, darf ich diese in Anspruch nehmen.
  • Nur wenn speziell angeführt ist, dass das Werk auch modifiziert werden darf, darf ich Änderungen daran vornehmen (z.B. Fotos), muss aber immer auch berücksichtigen, unter welcher Lizenz dann dieses Werk womöglich erneut zu stellen ist.
  • Immer muss ich den Credits Folge leisten und diese auch bei dem Foto, der Grafik oder dem Text direkt darunter anführen, wenn dies Teil der Lizenzbedingungen ist.
  • Quellen angeben, gehört nicht nur zum guten Ton und einer gewissen Netiquette.

Die Zeiten, wo solche Dinge zudem in einer Grauzone waren oder das "Vergessen" schlicht und ergreifend toleriert wurde, sind heutzutage nun mal vorbei. Und deswegen heißt es: aufpassen und sich bewusst sein, was man da eigentlich so im Netz treibt.

Webseiten sind kein Firlefanz

Speziell wer einen eigenen Blog oder Webseite betreibt oder administriert, sollte tunlichst sich darum kümmern, dass er für alle Inhalte die notwendigen Rechte hat. Das beginnt auch beim heruntergeladenen Template und den Grafiken dafür - manche Downloads beinhalten Beispiel-Fotos oder Grafik-Elemente, bei einem Studium der Lizenzbedingungen (die keiner liest natürlich und manchmal wird damit auch spekuliert) stellt sich dann heraus, dass diese Platzhalter nur zum Beispiel in lokalen Offline-Test-Installationen eingesetzt werden dürfen, keinesfalls jedoch irgendwo online.

Auch das Verändern von Quellcodes oder Anmerkungen wie Fußnoten in Templates ist nicht immer einfach erlaubt, sogar das Anpassen von Plugins kann Rechte verletzten, die sich der originale Autor womöglich vorbehält. Oder es gibt die Einschränkung, dass ein Plugin z.B. nur auf nicht-kommerziellen Seiten eingesetzt werden darf, usw... das Gleiche gilt auch für Grafiken, die kleinen Pixel-Icons, Symbole, Piktogramme und so weiter... auch wenn ein anderer Mitarbeiter etwas entworfen hat, muss zuerst geklärt werden, wer nun die Rechte daran hat - denn das ist nicht immer automatisch das Unternehmen. Gilt übrigens auch für manche Frameworks, JavaScript-Bibliotheken, Schriftarten, usw... die man so im Netz für den eigenen Einsatz als Download und zur Verlinkung findet. Also nicht nur Bilder.

Man ist also einfach verpflichtet, immer ausnahmslos die Herkunft, die Originalquellen und die jeweiligen Lizenz-Informationen genau zu studieren und mit den eigenen Anforderungen anschließend abzugleichen, ob ein Einsatz somit überhaupt möglich ist. Das kann kompliziert, mühsam und anstregend sein - aber es bringt einem auf die sichere Seite und man sammelt im Laufe der Zeit mehr und mehr Erfahrungen und bekommt einen immer besseren Überblick.

Persönliche Meinung

Das Urheberrecht ist natürlich punktuell völlig überholt, es wird kommerziell missbraucht, ist teilweise nicht zeitgemäß und manchmal auch aus der Praxis-Sicht so eigentlich nicht wirklich exekutierbar, aber die große Welt funktioniert nun mal so, wie es im Gesetz festgehalten ist. Der persönliche Einsatz von Lizenzen wie z.B. die der Creative Commons für seine eigenen Inhalte trägt allerdings viel dazu bei, dass das Netz ein offener, freier Ressourcen-Raum für uns Alle bleibt und sollte von jedem Einzelnen somit auch umfassend forciert werden.

Zudem sollte sich auch jeder selber die Frage stellen: "Wäre es ok, wenn jemand mein privates Foto vom gestrigen Ausflug in eine fremde Webseite einbindet? Oder mein Lied auf Youtube singt? Eine 4-Seiten-Kopie aus meinem ersten, eigenen Buch als Download anbietet? Oder meine Grafiken, an denen ich stundenlang gesessen bin, für eine Webseite verwendet? Und das Ganze ohne aber meinen Namen zu nennen, auf meine Seite zu verlinken bzw. mich dafür zu bezahlen?"

Es gibt natürlich Ausnahmen, wo man sich vielleicht denkt, dass es schon ok wäre, nur das trifft womöglich auf den Gegenüber in seiner Sichtweise eben nicht zu. Es zählt also nur die sachliche, fixierte Rechtsgrundlage.

Mein eigener Umgang mit dieser Situation

Ich habe nach vielen Jahren Beschäftigung mit dem Thema und der Verschärfung sowie Auflösung der Grauzonen damit meine Konsequenzen gezogen und verwende mittlerweile aus Prinzip und Eigenschutz kaum noch fremdes Foto/Bild-, Ton-, Grafik-Material aus dem Netz, sondern versuche entweder darauf schlicht und ergreifend komplett zu verzichten oder sie eben selber zu produzieren.

In Ausnahmefällen greife ich auf Bibliotheken wie die der Wikimedia Commons Bilder oder auch OpenClipArt zurück, berücksichtige dabei aber immer die vollständigen Credit-Angaben und übernehme deren Angabe-Vorlagen unverändert. Das schützt zumindest grob bis zu einem gewissen Grad, auch wenn dort natürlich ebenso keine Garantie übernommen wird, dass alle Rechte und der Bilderupload durch irgendeinen User überhaupt legitim waren. Auch achte ich heutzutage bei Fotos und Videos, die ich von Zeit zu Zeit in das Netz stelle, dass ich keine Marken-Rechte verletze (Produkte im Vorder- oder Hintergrund) und zudem - und das ist der wichtigste Aspekt:

Jeder hat das Recht über sein eigenes Bildnis zu entscheiden

Jeder Mensch hat das Recht an seinem eigenen Bildnis. Ich darf ohne seine Zustimmung also kein Foto~Video von ihm/ihr einfach in das Netz stellen. Egal ob das ein Portrait-Foto ist oder wir zu dritt fröhlich lachend gestern Abend in der Küche. Abgesehen von der rechtlichen Grundlage, will vielleicht der Gegenüber nicht sein Gesicht dann auch auf Facebook oder Twitter finden, will womöglich nicht getaggt werden oder gar nicht mehr löschbar auf irgendwelchen Webseiten, mit denen er nichts zu tun hat, auftauchen. Große Gruppen-Aufnahmen sind rechtlich anders gelagert, aber ansonsten: immer und ausnahmslos um Erlaubnis fragen, bevor ihr Eure Freunde oder gar unbekannte Menschen mal eben in das weltweite Netz hochladet.

Soziale Netzwerke

Bestätigt außerdem niemals Angaben in sozialen Netzwerken, in denen ihr gefragt werdet "Ist das Emanuel? Weißt Du, in welche Schule er gegangen ist? Hilf Emanuel sein Profil zu ergänzen und trage hier sein Geburtsdatum ein... Vervollständige Deine Kontaktlisten und trage Emanuels Telefonnummer hier ein... und bestätige hier auf diesem Gruppenfoto sein Gesicht? Ist DAS Emanuel?"

Macht das aus Prinzip und vorhandenem Sachverstand ausnahmslos nicht... man hebelt damit das Selbstbestimmungsrecht der Freunde vollständig aus, verfälscht mit großer Wahrscheinlichkeit das Profil und Leben mit versehentlich falschen oder ungewollten Angaben und zudem kann der Gegenüber diese Angaben oftmals weder kontrollieren, manchmal nicht einmal selber einsehen oder gar wieder löschen - und will sie vielleicht grundsätzlich auch nicht hergeben.

Es ist auch eigentlich eine unglaubliche Sauerei von Facebook und anderen Plattformen, diese Form der Austrickserei über die eigenen Freunde spielen zu lassen und gehört meiner Meinung nach verboten - dass die Gesetze hier zu sehr mit kommerziellen Bedürfnissen und Lobbyismus einhergehen, ist natürlich ebenso eine Frechheit und verbesserungsbedürftig. Und ebenso ist es aber auch ein humanes No-Go, dies selber als Mensch bei vollem Verstand und Bewusstsein seiner Umgebung und anderen Menschen anzutun und kommerziellen Konzernen damit zudem auch billig und ohne Gegenleistung in die Hand zu spielen. Tut anderen Usern nur das an, dass auch bei Euch selber in Ordnung wäre - unter Berücksichtung aller rechtlichen Aspekte zudem.

Als Abschluss zu den Bildern: am besten alle Grafiken und Fotos immer selber machen, es muss ja nicht immer Alles im Hochglanz-Style sein oder ansonsten nachweislich mit aufgehobener Bestätigung bei einer der Bildagenturen kaufen. Ist ein teurer Spaß, aber man schläft dafür langfristig besser. \o/