Teilapparat endlich aufgerichtet

emanuel

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Ich habe mir ja schon vor langer Zeit mal einen Teilapparat gekauft und seitdem auch ein paarmal für ein paar Kleinigkeiten genutzt. Allerdings bin ich vor Monaten mal gescheitert, ihn aufzurichten, also den Winkel anzupassen... obwohl alle passenden Schrauben gelöst waren, hatte sich nichts bewegt und ich habe dann entnervt aufgegeben und auch keine Zeit mehr gehabt. Außerdem war es mir in dem Moment nicht so wichtig, aber seit ein paar Tagen geistert wieder ein kleines Vorhaben im Kopf herum und dazu bräuchte ich eben... richtig, meinen Teilapparat. 😐

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Also heute nochmal kurzerhand damit beschäftigt und endlich entdeckt, dass innen~unten ein feines Metallstück sich verkantet hatte bzw. im Weg war. Scheinbar entweder ein Überbleibsel von der Produktion oder es ist mir mal beim Herumwerken auf welchen Weg auch immer dort reingekommen, keine Ahnung. Nach einigem an Herumbasteln, Schaben, Klopfen und Pseudo-Feilen war dann die Halterung endlich frei. 🥵

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Halleluja, endlich steht das Ding aufrecht! Ein anstrengender Prozess, aber er hat sich gelohnt, denn nun ist der Bewegungsgrad auf 90° erweitert und es stehen alle Möglichkeit offen. Warum das übrigens nicht ganz so leicht ist alles, liegt daran, dass dieses Teil knappe 20 Kilo wiegt. Kein Wunder, denn es handelt sich um massives Metall mit relativ wenig Hohlräumen... also nichts, was man einfach mal eben von A nach B trägt.

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Dann habe ich noch das Backenfutter von Holzspäne-Resten gereinigt, aber auch das wieder "Einlegen" ist bei dem Teil ein wenig mühsam, weil alles ein bisschen roh angefertigt ist, aber dennoch schön solide.

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Der erste Versuch und das passiert mir jedes Mal, dass eine der Backen durchrutscht und damit die Zentrierung nicht passt. Alles kein Problem, aber es bedeutet jedes Mal langes "Kurbeln", rein, raus und wieder rein... 😟

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Aber jetzt... und perfekt zentriert. So roh das Teil aus China auch sein mag in einigen Feinheiten (Wortspiel), so grundsolide und genau ist es wiederum. Und bevor jemand fragt "Warum China?"... nun ja, ich hatte gesucht. Lange gesucht. Wo bekommt man denn so ein Ding aus heimischer oder europäischer Produktion? Tja, gar nicht scheinbar. Sogar die heimischen Händler verkaufen zwar die Teile als "Made in Austria" oder "Made in Germany", aber kaufen die Teile oder Produktion trotzdem in China ein. Ähnlich wie die Abkantbank und dergleichen, die zwar über Deutschland eingekauft wurde (mit persönlicher und sehr freundlicher Beratung) und einer "besonderen Auswahl" unterliegt... aber dennoch via Schiff importiert wird.
 
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emanuel

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Aber gut... endlich ist das analoge Ding in voller Funktion. Alles nochmal gesäubert, geölt und ein bisschen eingespielt und es fühlt sich wertig an. Da bekommt man auch gleich Lust auf das nächste Werkstück. 🤓

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Wobei ich ehrlich sein muss... eigentlich weiß ich eh noch nicht so ganz genau, was ich vorhabe, außer einfach ein paar Dinge mal wieder auszuprobieren. Radiale Lochbohrungen, vielleicht auch mal ein Zahnrad oder dergleichen... also so Dinge, die man im Alltag eben eher selten macht.
 

emanuel

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Was ich auf jeden Fall vorhabe ist - und es wird auch eine Notwendigkeit sein - den Teilapparat mitsamt seiner Teilescheiben und so weiter, beweglicher zu gestalten. Ich habe mir Anfang des Jahres mal online diese sehr billigen 4 Schlitten mitsamt 2 Schienen zuschicken lassen und seitdem nicht weiter angerührt, denn auch diese musste ich erst umfangreich aufarbeiten. Die Schlitten hatten einige Grate und zudem auch eine leichte Wölbung entlang der Führung und damit waren zwei der Schlitten extrem schwergängig. 🙄

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Hat dann eh nur ca. eine Stunde an Schleifen benötigt, bis das Problem gelöst war, nur um dann die kleinen Kugeln in der gesamten Wohnung zu suchen, nachdem sie beim Aufsetzen auf dem Schlitten aus der radialen, inneren Führung gesprungen waren. Immerhin habe ich damit dann auch gleich alle 4 Schlitten innen und auch sonst überall geölt und nun laufen sie recht solide... und sie werden wohl die Träger für den Teilapparat. Damit kann man ihn auch ohne Muskelkraft vor- und zurück schieben, was bei der Fertigung von Werkstücken sicherlich hilfreich sein wird. 😙
 
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Mmmmhhh, heute ist es schon zu spät, um es ordentlich zu zeigen, vielleicht mal die nächsten Tage. Prinzipiell kann man damit in genauen, gleichen Abständen zum Beispiel Löcher bohren oder Fräsen und dergleichen.

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Das hier ist der kleine Bruder/kleine Schwester vom großen Teilapparat. Wenn wir oben ein Werkstück einspannen, zum Beispiel eine runde Holzscheibe und wir wollen regelmäßig Löcher im immer gleichen Abstand im Kreis radial bohren, ist das per Hand und ausmessen nicht so leicht. 😟

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Dazu gibt es eben eine "Messanzeige" die dabei hilft. Diese beträgt in diesem Fall hier 360 Einheiten (bzw. 360 Grad). Wenn wir jetzt annehmen, wir wollen zum Beispiel 6 Löcher in unser rundes Holzstück bohren, würde das heißen 360 durch 6 = 60. Das bedeutet, wir bohren das erste Loch. Dann drehen wir die Kurbel, solange bis wir bei der ersten Markierung bei 60 ankommen (dabei dreht sich das ganze Werkstück/Holzscheibe im gleichen Umfang mit) und bohren das zweite Loch.

Danach drehen wir nochmal weiter, erneut 60 Einheiten und landen bei der Markierung 120 (60+60). Wieder ein Loch bohren und dann erneut wieder um 60 weiter... man merkt schon, worauf ich hinaus möchte. Am Ende hat man 6 Löcher im Kreis im gleichen Abstand in das Holz gebohrt. Möchte man hingegen 8 Löcher dann wären es 360 durch 8 = 45 - also alle 45 Einheiten ein Loch und so weiter. 🤓

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Damit kann man mal eben so kleine Dinge wie solche Holzräder wie bei diesem kleinen Traktor mit Löchern versehen oder auch von der Seite senkrecht um zum Beispiel die Grundlage für ein Wagenrad zu bohren.

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Per Hand ist so was extrem mühsam, abgesehen davon, dass man ja das Holzstück ja irgendwo einspannen muss, um überhaupt gerade Löcher einzubohren. Wenn man jedes Mal das Ding umspannen muss für das nächste Loch, wird schnell alles schief und anstrengend. Mit so einem Teilapparat kann man das Holzstück einspannen und zugleich aber auch gleichmäßig drehen. Schon praktisch. 😙 Es gibt aber ein Aber...
 
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  • #6
Denn diese simple Bohrungen sind schnell gelöst. Komplizierter wird es jedoch bei vielen, feinen Bohrungen... hier wird es schnell per Hand mühsam, denn die Chance, dass man sich dann verzählt bei den Umdrehungen ist groß, auch so ein Klassiker-Fehler im Alltag, und vor allem, wenn es dann um "kleine Millimeter" geht und man sehr genau arbeiten möchte (z.B. ein Zahnrad fräsen mit vielen kleinen Zähnen und somit vielen, feinen, immer gleichen Abständen), wird es unlustig. Und sich dann beim 234 und kurz vorm Ende mal ein bisschen um einen halben Millimeter verdrehen ist, ist dann äußerst frustrierend.

Und dazu gibt es die Teilscheiben. Die funktionieren nach einem sehr einfachen Prinzip:

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Es gibt verschiedene Teilscheiben mit verschiedenen Reihen an Löchern in verschiedenen Varianten. Dazu gibt es in einem Papier/Unterlagen eine Abbildung mit einem Index bzw. mit Berechnungstabellen, wo man sagen kann "Ok, ich möchte ein kleines Zahnrad mit 280 Zähnen fräsen oder ein Ding mit 280 feinsten Löchern versehen, aber das Ding, in das ich hineinbohre, ist sehr klein, heißt, ich muss umrechnen, wie weit muss ich den Teilapparat bis zur nächsten Bohrung drehen, ohne mit den Augen oder Gefühl zu schätzen und auch nicht, um jetzt per Hand 2,345 Millimeter zu drehen - kaum möglich. Wie schaut das also dann beim Bohren aus?

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Am Apparat sind zwei Schieber angebracht, die man - je nach Berechnung - in einen passenden Lochabstand bringt. Danach werden die beiden Metallteile - man sagt auch Schere dazu - miteinander fixiert, beide lassen sich aber weiterhin im Kreis drehen, aber ihr Abstand zueinander bleibt gleich. Und genau das hilft dann, immer die gleichen Abstände zu bohren.

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Man steckt den Griff auf und dieser hat vorne einen Pin, den man in das erste Loch steckt. Hier bohren wir das erste Mal in das Werkstück unser erstes Loch.

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Danach drehen wir den Griff und damit die Kurbel weiter bis zum nächsten Anschlag von der Schere... und bohren wieder ein Loch. Wir haben nun zwei Löcher in einem Abstand gebohrt, die diesem Scheren-Abstand bzw. der Drehung entsprechen, aber eben skaliert - je nach Umrechnung - auf nur ein paar Millimeter zum Beispiel oder noch weniger.

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Jetzt lassen wir den Griff im Loch stecken und drehen dafür die beiden, miteinander fixierten Scheren-Teile solange weiter, bis die Erste wieder am Pin anschlägt. Man kann es sich schon vorstellen, was nun passiert...

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Genau, wir drehen die Kurbel wieder weiter, solange bis der Griff bzw. der Pin wieder anschlägt, stecken ihn ein und bohren unser Loch. Und so geht es immer weiter. Die Schere weiter drehen, bis der erste Scheren-Teil anschlägt, mit dem Griff weiterdrehen bis zum nächsten Anschlag und wieder bohren. Und so weiter und so fort. 😊

Der Vorteil der Schere liegt darin, dass man nicht händisch die Löcher abzählen muss, denn sie hilft immer um die gleiche Lochzahl weiterzugehen. Je nach Reihe und Anzahl der Löcher und Anzahl der Kurbelumdrehungen (man kann z.B. auch zweimal die Kurbel im Kreis drehen, bis man wieder erneut anschlägt und dergleichen - hier helfen Umrechnungstabellen) lassen sich damit äußerst gleichmäßige Bohrungen in gewünschten Abständen anfertigen.

Und dadurch, dass der Teilapparat eben (endlich) schwenkbar ist, gelingt das auch schräg in Werkstücke, senkrecht und so weiter... also Dinge, die man mit der Hand einfach nicht hinbekommt. Vielleicht mache ich am Wochenende einen kleinen Test als Beispiel. 🙂
 
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  • #8
Die beiden Jungs erklären das recht gut:

 

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  • #10
Der Teilapparat selber ist völlig geräuschlos, ist ja ohne Motor und nur mit Handkurbelgetriebe. Und wenn man nicht gerade Metall fräst, sondern nur Löcher z.B. in Holz bohrt mit dem kleinen Tischbohrer, macht es nicht mehr Lärm als eine Mikrowelle oder Toaster oder dergleichen. Was die Typen im Video machen, ist ja was Anderes bzw. kann ich das nicht, da ich keine Fräse in dieser Größe besitze und ja auch ansonsten nicht in einer lauten Werkstatt lebe oder arbeite... 🤔
 
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