Elektrodenschweißen

emanuel

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Ich habe ja schon länger einige Projekte im Kopf, die das Schweißen von Metall benötigen würden. Nichts also, das man mal eben so am Abend am Schreibtisch im Wohnzimmer neben Filmschauen und Tee trinken macht, aber die Verlockung, es doch endlich mal anzugehen, ist unverändert da. 🤓

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Nachdem die Geräte - je nach Schweißmethode zumindest - heutzutage immer billiger und kleiner (handlicher) werden und noch dazu der Online-Versand den Kauf von Dingen ermöglicht, für die man früher mühsam in einen Fachhandel im Nirwana fahren musste, ohne oft genau zu wissen, was einen erwartet, wage ich mich mal ans Elektrodenschweißen.

Je nach Hersteller bekommt man solche Geräte bereits ab 50 Euro aufwärts nachgeworfen, manchmal sogar mit Zubehör und Elektroden... also ist der finanzielle Aufwand mit einem Kino- und Restaurant-Abend an einem Freitag zwischendurch vergleichbar. Mit einem Wort: das kann man durchaus mal machen. 😙

Leider hatte ich beruflich heute so gar keine Zeit, außer das Päckchen vom Boten entgegen zu nehmen, schnell wieder in ein Meeting zu flitzen und dann in der Mittagspause für genau 5 Minuten das Ding schnell auszupacken, grob anzuschauen, anzustecken, es für genau 30 Sekunden laufen zu lassen, wieder abzudrehen und wegzupacken. Gut ist mal: das Gerät läuft.

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Ich habe mit Elektrodenschweißen keine praktische Erfahrung, sondern nur theoretische, aber auch wenn die Fotos eher nach einem Unfall ausschauen, zeigt sich für mich persönlich, dass nun das Problem nicht mehr am Gerät liegt, sondern wirklich nur mehr an mir selber, speziell nach so wenigen Sekunden des Versuchs.

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Die erste (sehr wacklige) Naht sitzt stabil auf und die Zweite geht flach ins Material, also in die Tiefe, bedeutet, es "brutzelt" nicht nur lose an der Oberfläche rum und tut so als ob. Das gefällt und zeigt somit Potenzial, trotz einer niedrig eingestellten Ampere-Anzahl.

Natürlich kann aber auch nichts Gerades rauskommen, wenn man das mal eben zwischen Tür und Angel unter Zeitdruck macht, die Kabel im Weg sind und man auch kein passendes Material griffbereit hat, aber dennoch ist es - für mich - ein Erfolg und wieder eine der kleinen Hürden, die ich immer mal im Leben nehmen wollte. Speziell nach dem MIG-Fülldraht-Schweißen bzw. Misserfolg vor einiger Zeit, der mehr oder weniger ohne Ergebnis geendet hatte.

Jetzt fehlt nur noch - vor allem - Zeit, aber auch Raum und natürlich Material. Mh. 🤨
 
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emanuel

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Weil die Frage im Umfeld aufgetaucht ist, ob das nicht gefährlich wegen dem Gas ist... Elektrodenschweißen ist ohne den klassischen Gasflaschen, wie man das vielleicht von der Baustelle kennt. Es reicht ein Stromanschluss bzw. eine Steckdose und solche Stabelektroden (wie am Foto unten zu sehen). Beim Berühren vom Werkstück zündet aufgrund eines (gewollten) Kurzschlusses ein kleiner Lichtbogen und das Material schmilzt. Durch den abschmelzenden Draht der Stabelektrode und die zugleich abschmelzende Umhüllung entsteht zeitgleich eine schützende Schlacke und die Schutzgasglocke... und eine Schweißnaht entsteht. 🥲

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Nachdem man es aber nicht nur punktuell mit Hitze grundsätzlich, sondern zugleich auch mit flüssigem Metall, optischer Strahlung und ebenso Strom zu tun hat, sind Schutzhandschuhe und Schuhwerkisolierung fast schon logischerweise Grundvoraussetzung, ebenso auch ein genereller Arbeitsmantel, um Kleidung und Körper zu schützen. Zu den Augen kommen wir übrigens noch.

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Ein Schlackenhammer, um die Schlacke von der Naht nach dem Schweißen zu schlagen und eine Drahtbürste zum Reinigen ist auch oftmals irgendwie bei den Geräten dabei, wie ich nun gesehen habe.... naja, das hatte ich gar nicht beachtet, denn ich habe sogar einen Größeren, der nicht angerostet ist. 😉

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Allerdings muss ich eines sagen... leise geht anders. Der Lüfter könnte wohl auch die ganze Werkstatt mit Frischluft versorgen und bläst ganz schön ordentlich, aber kein Wunder bei dem Verwendungszweck.

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Vorne gibt es bei dem Gerät nicht viel zu sehen... außer den beiden Anschlüssen unten, Lüftung und oben ein Display sowie ein Amperregler (Drehknopf). Aus. Mehr gibt es da nicht zu sehen. 🧐

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Wer es übrigens modisch mag, kann sich das Ding auch einfach umhängen. Sowohl von der Größe her, als auch vom Gewicht, entspricht es mehr oder weniger einem üblichen Haushalts-Toaster in der Küche. 😄
 
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Allerdings wird die Handlichkeit von einem Schönheitsfehler beeinträchtigt... denn die Kabel dazu sind nicht nur gefühlt voluminöser, sondern auch unhandlicher und schwerer als das Gerät selber. 🙄

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Dafür sind die Steckverbindungen unkompliziert. Reinstecken, einmal im Uhrzeiger-Sinn drehen und sie sind eingehakt. Unkompliziert also... 🤓

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Am anderen Ende des einen Kabels gibt es den Halter bzw. besser gesagt Kontakt für die Stabelektrode, die beim Einsatz immer wieder "abbrennt" bzw. aufgebraucht wird und eben ersetzt werden muss. Natürlich hält man das Ding beim Einsatz mit Handschuhen und nicht wie hier am Foto mit bloßen Händen.

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Und das zweite Kabel ist für die Masse und wird am Werkstück angeschlossen. Das war es schon wieder... 🙂
 
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Jetzt hätte ich glatt die Augen vergessen! Wer keine Lust auf Tageslicht hat, schaut einfach in den Schweißpunkt, wem das Augenlicht wichtig ist, gibt einfach knallharte 30 Euro aus und hat einen Automatik-Schweißhelm inklusive Ersatzgläser. 😎

Ich muss ja zugeben, dass ich bis vor einem Jahr in meinem bisherigen Lebensalltag mir nie die Frage gestellt hatte, wie der eigentlich funktioniert, vor allem liegen die unteren Standard-Preise zwischen 20 und 80 Euro (wer mag kann noch viel mehr ausgeben) und man fragt sich "Ok, was kann und macht das Ding?", aber es ist eigentlich sehr simpel.

Eine billige Plastikschale, von denen leider viele wirklich hässliche, seltsame 1990er Heavy Metal-Motive haben, ein getöntes Sichtfenster zum Schutz vor Ultravioletter- und Infrarot-Strahlung, ein Flüssigkristall-Display, das je nach Einstellung abdunkelt, damit man vom hellen Licht nicht blind wird und Fotozellen, die eben auf die Lichtstärke reagieren und einen Hauch an primitiver Elektronik - sowie Solarzellen in meinem Fall.

Klingt im ersten Moment nach viel und "Oha", aber wenn man so ein Teil vor sich hat, ist das Niveau zumindest visuell eher auf dem von einem billigen Werbegeschenk-Taschenrechner von der Sparkasse oder einer Taschenlampe für den Schlüsselanhänger aus dem 1-Euro-Shop. 😄

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Hier noch ein Blick in den Helm... das Einzige, das hier wirklich aus Metall ist, sind die Schrauben, der Rest ist alles schlichtes Plastik und zwei Einstelldreh-Knöpfchen. Und hier am Foto nicht sichtbar ist eine kreisförmige Plastikhalterung für den Kopf, so dass man sich das Ding aufsetzen kann und das Visier einfach nach unten oder oben klappen kann. Rastet schlicht an einer Plastik-Noppe rein... also ebenfalls low-tech eben.

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Außen befindet sich auf der Seite des Helms ein Drehknopf, mit dem man die Stärke der Abdunklung on fly einstellen kann. Auch hier klingt es nach mehr High-Tech, als es dann in Summe eigentlich ist, wenn aber natürlich auch nach Jahrzehnten+ ausgereift. Die Dinger gibt es nun auch schon seit langer Zeit am Markt und man hat dadurch auch beide Hände frei.

Tja, mehr kann ich momentan zu dem Thema eh nicht mehr erzählen. Nachdem der Geruch und die Dämpfe nichts sind, das man in der Wohnung, Keller oder dergleichen haben möchte und auch aus gesundheitstechnischen Gründen nicht haben sollte, ist der Spaß eher für die wilde Nat... ahm... für draußen bzw. die nicht vorhandene Garage mit Garten davor, aber es werden sich sicher mal irgendwie, irgendwo Gelegenheiten dazu ergeben, mit dem Ding ein wenig zu experimentieren, zu lernen und auch irgendwelche Werkstücke damit zu machen.

Wichtig ist mir mal, dass ich den Schritt gemacht habe und nicht vor der Materie zurückschrecke und auch selber den Weg gehe... Youtuben und sowas ist ja eh auch nett, aber selber machen ist dann doch noch feiner und ebenso sich Dingen im Leben stellen, von denen man immer nur redet oder darüber nachdenkt, aber nie tut. 😊
 
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Ich hatte vergessen: so ein Automatik-Schweißhelm ermöglicht einem, normal (leicht getönt) auf das Werkstück und die Stabelektrode zu schauen. Sobald die Elektrode zündet, entsteht der helle Lichtbogen und das Display im Helm regelt in Bruchteil einer Sekunde herunter, sprich verdunkelt es - je nach Einstellung entweder recht stark oder wenig. Damit kann man den Helm so einstellen, dass man auch beim Schweißen noch sehen kann, was man tut und wo man sich überhaupt befindet. Ist quasi wie eine automatische Sonnebrille, die unmittelbar auf Licht reagiert... 🤓
 
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emanuel

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Weil ich übrigens letztens weiter oben das MIG-Fülldraht-Schweißen erwähnt hatte und man sich darunter vielleicht nichts vorstellen kann, wenn man sich im normalen Alltag mit diesen Dingen naturgemäß nicht so wirklich beschäftigt... ich habe ja das erste Schweißgerät bereits länger bei mir unter der Werkbank und etliche Versuche schon vor Wochen~Monaten durchgeführt, konnte mich aber damit einfach nicht anfreunden. 😕

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Das Teil ist ebenfalls eines von den Billigen und leicht zwischen 50 und 100 Euro zu finden, je nach Anbieter-Plattform, man darf es aber nicht unterschätzen vom Volumen und das Teil hat auch ein ordentliches Gewicht... ich schätze mal eben um die 15 Kilo, also nichts, das man einfach mal so eben herumträgt wie das obere kleinere Inverter-Teil.

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Seitlich und hinten gibt es bei dem Schweißgerät, außer Lüftungsschlitzen (und einen auch hier ebenfalls lauten Lüfter), nichts zu sehen. Unkompliziert quasi und optisch schaut es sehr annehmbar aus (das warme Orange steht dem Ding recht gut). Das hat jedoch seine Vor- und Nachteile, wie man am ersten Bild sieht, denn die Kabel gehen alle vorne raus, sind allerdings bei dem Modell nicht ablösbar, sondern fest fixiert. Das macht die Handhabung ein bisschen mühsam, denn auch hier sind die Kabel schwer und kräftig. 🥺

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Die obere Seite des Gehäuses lässt sich mit einer einfachen Entriegelung hochklappen und darunter sitzt das Herzstück des Geräts... und das ist auch zugleich der Unterschied zum oberen Gerät, wo man mit den Stabelektroden arbeitet.

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Nämlich die Halterung für den Fülldraht. Wer schon mal mit einem 3D-Drucker zu tun hatte, kennt das Prinzip. Auf der Spule ist der aufgewickelte Fülldraht und dieser wird vorne mit einem kleinen Motor in den Kabelkanal durchgeschoben. Mehr tut sich auch bei dem Gerät tatsächlich nicht, außer dass auch dieses dazu gedacht ist, mittels gewollten Kurzschlusses eine Schweißnaht zu erzeugen. 😎

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Hier sieht man noch den Fülldraht vorne an der Spitze, der durch den roten Druckknopf gesteuert wird. Die Geschwindigkeit lässt sich am Gerät direkt einstellen und hier habe ich etwas zu kämpfen gehabt. Wie auch anhand der Rezensionen da und dort zu lesen ist, kann man mit dem Teil durchaus mal einen Auspufftopf und solche Sachen schweißen, also eher so gröbere Dinge, unter 1.5mm brennt man sich jedoch durch und genau das ist meine Erfahrung.

Ich habe sogar relativ problemlos in ein paar Metall-Winkel und Vierkant-Leisten die klassischen Löcher gebrannt, die man als Anfänger ja gerne ungeplant erzeugt... aber sogar mit verschiedenen Ansätze, Leistungsstufen, Geschwindigkeit blieb es einfach dabei. Man könnte es irgendwie glatt als Schweißbrenner nutzen... 😄

Aber natürlich liegt es nicht nur an dem Gerät und je nachdem auf welcher Seite man über das Teil liest, schweißen manche Menschen damit ganze Auto-Projekte und andere verteufeln das Teil hingegen als spritzende "Brutzelmaschine". Als unerfahrener Schweißer fälle ich damit kein Urteil, sondern werde es wie das Andere bei Gelegenheit und unter anderen Bedingungen fairer testen und mal schauen.

Gefühlt und nach einem kurzen, zweiten Versuch gestern liegt mir auch die Stabelektrode besser, denn auch bei dem kurzen Versuch konnte ich erneut bereits eine wacklige, aber vorhandene und stabile Schweißnaht erzeugt, während mit dem Fülldraht-Teil man eher Vulkan spielen könnte. Aber ich werde demnächst mal wieder von weiteren Versuchen hier berichten... 🤓
 
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