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Wander-Naturkautschuk

2014-10-02

Ich habe ja die Eigenheit, dass ich nach dem Einkaufen immer ein paar Münzen beiseite lege und in einem kleinen Säckchen sammle. Manchmal gehe ich dann alle paar Wochen oder auch nur Monate – je nach Menge – zur Bank, lasse sie dort durch den Münzzähler rieseln und zahle das Ersparte ein. Das ist sozusagen meine kleine, persönliche Freude im unergiebigen Alltag und ich versuche mir damit von Zeit zu Zeit auch mal eine Kleinigkeit in der Lebensroutine zu leisten.

Eines der mühsamsten Dinge im Alltag für mich ist Regen. Ich mag ihn, liebe ihn sogar und genieße die Natur dabei, ebenso Wanderungen durch den Wald und das Überschreiten von Waldbächen… die seelische Wohltat jedoch löst sich schnell auf, wenn man wieder einmal, wie so oft, nach Stunden mit durchnässten Füßen heimkehrt. Und diese Tatsache verfolgt mich seit Jahren, denn ich bin ein Mensch, der nur ungern extra einer Lacke mühsam ausweicht – ich mag einfach durchgehen und wenn wo ein kleiner Bach ist, dann drängt mich mein inneres, wildes Tier, ihn einfach an der Stelle – sofern man genug Rücksicht dabei auf Lebensräume von Tieren und Pflanzen nehmen kann – zu überqueren, wo man halt eben gerade ist… und nicht 30 Meter weiter beim Baumstamm irgendwo.

Und bis dato habe ich noch keine Schuhe gefunden, die mir das ermöglichten… Ja, klar „Gummistiefel“ ruft vielleicht jetzt jemand. Aber wer schon mal welche so im Alltag an hatte, wird sicherlich zustimmen, dass das nur das halbe Glück ist. Von Wärme keine Spur, die Bequemlichkeit existiert nur auf dem Papier und das „Tschulp Tschulp“ beim Gehen, wenn man mit der Ferse Luft in das entstandene Vakuum einzieht beim Gehen, kennt wohl auch jeder. Und das stört. Gummistiefel sind zum Arbeiten praktisch oder um ein bisschen im Garten rumzustiefeln oder mal damit zum Einkaufen beim Greißler im Urlaub während eines warmen Sommerregens zu gehen… aber mit diesen wuchtigen Dingen „Wandern“ ist eher ein schmerzhaftes Abenteuer – nach spätestens einer Stunde.

Gummistiefel

Es sei denn, man bekommt einen guten Tipp aus dem Land der Eidgenossen mit einem französischen Hauch an Naturkautschuk. Denn N. als stolze und wanderfreudige Hundebesitzerin hatte naturgemäß das gleiche Problem… wie soll man im Sommer als auch Winter tagtäglichen mehrfach durch die harte, pure und wundervolle Natur an Schlamm, Geröll, Wasser, Feuchtwiesen, Wurzeln und Moose stapfen, klettern, rutschen und steigen – ohne jedoch alle 3 Wochen ständig neue Schuhe zu kaufen und mit einer Dauer-Verkühlung im Bett zu landen?

Also hat sie sich schlau gemacht, es begann ein wochenlanges Suchen und Nachlesen, andere Hundebesitzer erzählten im Netz von ihren Erfahrungen – und N. wagte dann das Abenteuer. Es wurden Gummistiefel von einer französischen Firma, einer eher teuren Marke, zu der ich noch nie einen Bezug hatte und auch weiter nicht wirklich habe – deswegen ist das hier keine Werbung, denn der Firma will ich weder einen Gefallen tun noch sonst was… aber seit dem Tag schwört und schwärmt N. voller Lebenslust von ihnen. Immer wieder. Und unterzieht sie regelmäßig einem harten Alltagstest.

Gummler

Ein gefühltes Jahr oder so habe ich mir das visuell einige Male anschauen dürfen, bin aber skeptisch geblieben. Gummistiefel zum stundenlangen Gehen… irgendwie passt das in meinem Kopf einfach nicht wirklich zusammen. Aber gut, sie tut es und hat dann gleich nochmal erweitert – einen Winter- und eine Sommer-Garnitur. Etwas muss also wohl dran sein, denn die leistet man sich nicht einfach so mal eben zum Spaß und Wegstellen dann wieder.

Nachdem ich unlängst im beruflichen Grautag mal wieder zwangsläufig recht massiv im Schlamm versunken bin und darauf hin abermals inklusive Heimfahrt mit dem Rad somit erneut an die 11~ Stunden in patschnassen Schuhen verbringen durfte und das nicht zum ersten Mal, sondern mit einer gewissen Häufigkeit sogar, habe ich mich zum Handeln entschlossen. Und selber tage- und stundenlang herum gesurft, unzählige Bewertungen, Rezensionen und Co. gelesen… und die meisten Wege haben dann wieder zur N., ihrer Meinung und ihrem Hundealltag geführt.

Gummistiefel

Mittlerweile habe ich ja auch gelernt, dass man das Meiste über die richtige Alltagskleidung bei Hundebesitzern und Wiesen- und Waldarbeitern lernt… denn die gehören zu den wenigen Menschen, die tagtäglich sich mit jeder Witterung auseinandersetzen müssen, viel zu Fuß in unwegsamen Gebieten unterwegs sind und es sich auch nicht leisten können, jeden Tag Schuhe, Socken, Jacken und Hosen mal eben zu trocknen oder ständig neu zu kaufen – zudem ist auch Gewicht und Verlässlichkeit eine wichtige Eigenschaft. Sie sind also die besten Tester und Referenzen, wenn man etwas Langlebiges sucht.

Kurzfassung der ganzen Geschichte ist nun, dass ich also nach längeren Zeit die Münzen aus dem Sackerl durch die Zählung rieseln habe lassen und siehe da, es ging sich tatsächlich auf fast genau einen Euro aus, dass ich nun Gummistiefel, die in Frankreich handangefertigt wurden, aus Naturkautschuk bestehen und zusätzlich mit einer isolierenden Neoprenfüllung ausgestattet sind, mein Eigen nennen darf. Extra gerüstet für den Winter und natürlich vor allem: wasserdicht.

Gummistiefel

Und ich darf sagen – ich will keine Werbung machen, deswegen schreibe ich den Namen auch nicht in den Text direkt – aber das Gefühl in diesen Stiefeln ist tatsächlich wie wenn man in Socken oder Hauspatscherl schlüpft. Weich, kuschlig und sehr angenehm… man gleitet in die Stiefel und fühlt sich augenblicklich darin wohl. Und der Naturkautschuk ist viel weicher als es sonstige Gummistiefel sind, man kann das Material fast mit einer Hand praktisch kneten und die Neoprenfüllung zeigt ebenfalls schon kurz nach dem Reinschlüpfen ihre Wirkung – es ist warm.

Und sofern man nicht auf einen langen Nagel tritt oder den Stiefel an einer gerissenen Metallleiste im Waldboden oder scharfkantigen Dornenwurzeln aufreißt, hält das Ding (hoffentlich) sicherlich lange… laut diverser Hundeforen schwärmen einige davon, dass sie bereits seit sieben Jahren und dergleichen solche Gummistiefel ihr Eigen nennen und nichts mehr Anderes nehmen würden – und die Dinger noch immer dicht sind und in Verwendung. Ich bin also auf meinen Alltag damit schon gespannt.

Es waren und sind auf jeden Fall die teuersten Gummistiefel, die ich mir wohl je geleistet habe und je leisten werde, aber theoretisch sollte ich bei meinem Stadt-Wald-Wiesen-Leben mit hin und wieder Regen jetzt einige Jahre gut gerüstet sein, wenn es mal wieder das obligatorischen Trübwetter, nasses Herbstlaub und Waldwanderungen im Matschwinter sowie Spaziergänge über triefende, hoch gewachsenen Frühlingswiesen gibt.

Eine sehr billige, aber effektive Regenhose (Radfahren und Co.) zum Überziehen nenne ich schon lange mein Eigen, jetzt fehlt nur noch die richtige Jacke dazu. Aber da lasse ich mich sicherlich wieder von N., ihren Erfahrungen und Hunde-Outdoor-Foren-Usern in die richtige Richtung weisen… denn die Jacke muss auf jeden Fall tatsächlich Regenfest sein (bis heute keine erlebt, die das kann oder danach nicht tagelang getrocknet werden muss), ohne jedoch all zuviel Schwitzen dabei (mein Problem) und zudem langlebig und generell widerstandsfähig sein. Waldarbeiter, Förster, Jagd und dergleichen-Foren sind übrigens auch gute Tipps bei diesen Dingen… nur bei den Jacken fehlt das Passende.

Gummistiefel

Outdoor-Abenteuer-Blogs und Co. hingegen traue ich nur bedingt, weil dort ist diese Marken-Philosophie und das geforderte Geld bei der Investition mir meistens eine Spur an der Meinungsbildung zuviel beteiligt – denn beim Freizeitsport geht es auch um das Aussehen, den Stil und „Lifestyle-Flow“ und die Werbeindustrie macht sich da auch (viel zu) viele Gedanken um dieses Produkt-Gebiet. Einem Waldarbeiter oder bewussten Outdoor-Hundebesitzer hingegen, die jeden Tag bei jedem Wetter nach Stunden dreckig, zerkratzt und müde heimkommen, ist es meistens doch eher recht egal, welches Logo irgendwo pickt… Hauptsache die Teile halten, sind irgendwie leistbar und langfristig ökonomisch zum Geldbeutel und man muss sich wenig darum kümmern. Funktionalität geht da eher vor und da vertraue ich unscheinbaren Berichten von No-Name-Usern mehr als „Feature-Outdoor-Erlebnis-Blogs“ mit Sponsoren im Hintergrund und (zu) schönen Bildern vom hohen Berg im klassischen Wolfs-Haut-Style.

Über Jacken-Tipps freue ich mich also nun als Nächstes – nur her damit! Allerdings keine Mäntel, keine klassische Überzugsregenjacke und am besten welche mit Zwiebeltechnik (Innenfutter zum rausnehmen) und ein wenig Funktionalität sollte sie schon bieten können… Ärmel bei den Händen zuziehbar (verengbar), Taschen regenfest und kein Material, das zuviel saugt oder zu sehr abdichtet. Vor allem aber auch einen dreistündigen Dauerregenguss mit viel Bewegung und Wind dabei übersteht, ohne, dass man darunter dann das Leiberl auch noch anschließend trocknen muss… und keine Kapuze besitzt, die dreimal größer als mein Kopf ist und hinten wie der 30-Tonnen-Anhänger von einem Sattelschlepper aufgefaltet weg steht. Und ich will auch nicht ausschauen, wie ein Bombenräumkommando mit Splitterweste und 20mm Einschub-Metallplatten in Nowosibirsk während des Winters.

Vermutlich folge ich am besten wieder den Empfehlungen von N…