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Tiergarten Schönbrunn

2015-02-14

Wie versprochen, folgt auf den gestrigen Winterwald-Ausflug auch noch dieses zweite, wacklige Video für meine Großeltern… dieses Mal aus dem Tiergarten Schönbrunn. Auch dieses Mal sieht man eigentlich nicht sehr viel, schon gar nicht Tiere, denn ohne Zoomobjektiv bringt das sowieso kaum etwas und zudem ist gerade Winterzeit. Viele Tiere sind also in den Winterquartieren oder in den Unterständen – aber dafür gibt es ein paar Eindrücke von der Anlage und dem Tiergarten generell.

Tiergarten Schönbrunn

Natürlich laufe ich überall mal kurz verschwommen durch: das Aquarien~Meereshaus, die Orangerie mit den Affen, die kleinen Vogelhäuser mit zwei an der Kamera schnuppernden Fluffis (in denen Gebäuden könnte man an ruhigen Tagen eigentlich herrlich Schreiben, wenn man einen Sessel und Laptop mit hätte und dürfte – ein ruhiger Raum, etwas Vogelgezwitscher, angenehme Luft und Sonne), das Elefantenhaus, wo man die großen Tierchen auch kurz sieht…

Später sind sie dann in der Freianlage zu sehen, einmal tauchen kurz entspannte Geparden vor der Linse auf, später folgt dann die neue Eisbärenwelt, leider habe ich da allerdings die neue Freianlage nicht gefilmt, dafür sieht man ebenfalls ganz kurz einen sich gerade kratzenden Eisbären aus der Nähe, und dann geht es auch schon in das Regenwaldhaus, das ich auch durchaus übrigens gerne als Wohngebäude hätte, danach folgen wieder Freianlagen, Spielplatz, paar Tiere da und dort…

Es geht wieder an den Elefanten vorbei, ein paar Affen, die kurz darauf im Freien auf der Insel rumturnten, und dann geht es bereits nach oben in den Wald, an den Wölfen vorbei hinauf zum Tirolerhaus mit Stall und Co. Ein paar Dinge im Tiergarten, wie der Brückenpfad-Steg durch die Bäume sind wegen Schnee oder Baustellen gesperrt, deswegen bin ich dann einfach hinaus und weiter hinüber zur Gloriette gelaufen – und anschließend noch einmal kurz zum Schloss selber und durch den Park hinaus, wo auch das Video endet.

Was mir selber auffällt jetzt im Nachhinein, wenn ich das Video so anschauen, wie stark sich der Tiergarten eigentlich im Laufe meines Lebens und vor allem in den letzten Jahren geändert hat. Ich erinnere mich noch an meine Kindheit, als kleine, dunkle Käfige und auf- und ablaufende Tiere das Bild überall bestimmten – es war wirklich beklemmend. Wölfe und Löwen auf wenige Metern, die Eisbären quasi Jahrzehntelang stumpf auf-und abwippend vor dem raunenden Publikum, ohne Unterbrechung, überall dunkle, rostige, enge Käfigstangen, ebenso ja zum Beispiel auch das Mini-Elefanten-Haus mit der viel zu kleinen Fläche damals. Tragisch.

Aber seitdem hat sich ein wenig getan, so wird unter anderem momentan endlich (!) auch das historische Giraffenhaus abgerissen, auch so ein dunkles Relikt der alten Zeit und generell ändert sich überall deutlich das Konzept… mehr flächiges, helles Glas als schwere Gitterstäbe, mehr und mehr offene Gehege und Anlagen, in denen man auch selber geht, manchmal ist man selber quasi im Käfig, stattdessen das Tier im Freigehege rundherum, die Flächen haben sich deutlich vergrößert und die glatten, grauen Betonwände und Böden sind einer „realistischeren“ Umgebung angepasst worden.

Auch das diese Grenzen aufgehoben wurden – bei den Vögelhäusern zum Beispiel geht man einfach durch – ermöglicht ein „erlebbares Spüren“ und damit „Nähe“, auch gibt es mehr und mehr Schautafeln und einfache Erklärungen über Artenschutz sowie Auswilderung, da und dort kleine Ausstellungen wie in Museen und dergleichen… immerhin.

Auch wenn es so oder so eine Gehegeanlage bleibt mit begrenztem, erzwungenem Raum, entwickelt sich das Konzept des Tiergarten auf jedem Fall mehr zum Besseren – und nicht zum Schlechteren. Wenigstens. Und man muss auch auf jeden Fall sagen, dass wenn es um ToDos beim Tierschutz geht, man sich selber und alle Anderen zuerst an der eigenen Nase fassen sollte, vor allem wenn man sich das radikale Artensterben in Europa und der restlichen Welt so anschaut. Gestern kurz ein wenig rumgelesen – die Zahlen sind dramatisch und extrem frustrierend und die Zukunft wird immer mauer, wenn es um den Reichtum der Vielfalt geht… da sollte wirklich der erste Hebel angesetzt werden, bevor man sich „weicheren“ und kleineren Zielen widmet wie einem Tiergarten oder gar einem unpassenden Krötenwandertunnel. Nur wird das nicht passieren und das wissen wir alle, wenn man ehrlich ist.

Ich glaube ja auch, dass es Zoos in dieser Form und Art in spätestens 20~40 Jahren so auch nicht mehr geben wird, ebenso viele (auch erst jetzt neu errichtete) Nationalparks. Entweder sie sind mehr oder weniger ganz verschwunden, erfüllen keine Aufgabe mehr oder es gibt für viele Tierarten einfach gar keine Zucht- und damit keine Erhaltungsprogramme mehr. Denn dass die Artenvielfalt mal eben wieder steigen wird, ist ja wohl wirklich reines Wunschdenken der alten Generation.

Zudem verlieren die Menschen trotz all dieser Versuche eigentlich dennoch immer mehr die Nähe dazu, das ist auch gut zu beobachten bei Schulgruppen im Tiergarten. Natürlich sind auch wir als Kinder durchgelaufen und von vielen Tieren gelangweilt gewesen, aber bei dem Ausflug jetzt ist mir auch aufgefallen, dass praktisch kein Schüler sich eine Tafel durchliest, kaum länger als 5 Sekunden zu dem Tier hinschaut, wenn überhaupt, es wird in schockierender Form im wilden Durcheinander geraten und gegenseitig mit wissender Stimme bestätigt (tut echt weh), was das für ein Tier sein könnte (Lama = Esel, Kraniche = Flamingo, Fledermaus = Flughund, Koala = Panda) und so im Kopf abgespeichert, Korrektur gibt es keine (von wem auch? alle laufen für sich) und das Handy und Selfies sind ebenso wichtiger als das Tier vor der Nase.

Bin gespannt, was da noch alles auf die Menschheit zukommen wird. Besser wird dieses spezielle Konzept, der Mensch, nämlich sicher nicht. Und eigentlich ist ja Artenschutz und Co. wirklich nur mehr ein Placebo geworden…

Die Qualität des Videos sollte man mit dem Zahnrad unten rechts beim Video auf 720p60HD stellen, Vollbild ist mit dem Rechteck ganz rechts daneben möglich. Vollbild-Ende mit der ESC-Taste.