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Minmu – die eigene Sprache

2015-02-09

Da ich zur Zeit für ein kollektives Projekt gerade an einer Webseite bastle und dazu die entsprechenden Bibliotheken in meinem Fundus gesucht habe (und dann erst recht wieder alles umstoßen werde), bin ich nicht nur über alte Fotos und Videos gestolpert, sondern auch über so kleine Randprojekte, die ich früher oft und gerne zum Beispiel einfach so am Handy beim durch die Stadt fahren erstellt habe – also in der Straßenbahn, im Bus, im Wartehäuschen und so weiter.

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Ist schließlich auch besser, als die Mitmenschen einer näheren visuellen Untersuchung zu unterziehen, denn da steigt außer Frust und Depression nicht viel. Erschreckend oft, mit welchen Humanoiden man so seinen Lebensraum teilen muss, auf der anderen Seite denkt sich das vermutlich jeder Gegenüber ebenso. Übrigens nein, ich gendere in diesem Blog nicht – das aber nur so am Rande.

Und unter anderem tauchte da plötzlich ein verschollenes Tabellenblatt auf… mit der Bezeichnung „Minmu“. Und ich verspürte Freude (selten genug, ich weiß) und war fast richtig aufgeregt, denn darin lag viel Herzensblut. Allerdings war die Freude dann doch nur von halber Schönheit, denn leider handelte es sich um einer der allerersten Versionen dieser selbst erfundenen Sprache. Alle weiteren Ausarbeitungen sind leider bis heute verschollen oder wahrscheinlich irgendwann aus Versehen gelöscht worden – dabei war das mal fast eine komplett fertige Sache, sogar mit eigener Webseite, Erklärungen, einem Wiki, bebildert und so weiter. Aber nun, ist leider so. Selber schuld, wie meistens.

Hintergrund

Also weiter zu Minmu. Ich war ja immer schon sprachlich sehr interessiert, bin auch eigentlich ein schneller Lerner von diesen Dingen, allerdings fehlt mir – ausgerechnet als Computer-Nerd – ein Logikverständnis sowie der Wille unsinnige Konstellationen zu erlernen. Ein Grund, warum ich Französisch lernen wollte war ihre Schönheit – eine akustisch herrliche Sprache, die mich immer extrem gereizt hat… und nach der Schulzeit hasste ich sie regelrecht. Sie hat viel kaputt gemacht in meinem Lebenslauf, denn ich stolperte durch sie recht munter durch die Landschaft des Lebens. Ob fehlender Wille oder falsche Vermittlung durch Lehrer mag man jetzt hinterfragen oder nicht, aber es spielt eigentlich keine Rolle. Die Freude war verloren.

Später dann führte ich mir selber etwas Spanisch zu Gemüte, da lernte ich auch recht flott die Basis-Wörter, aber durch die alltägliche Umgebung, die alles Andere, aber genau das natürlich nicht verlangt, geht so etwas dann auch schnell wieder verloren, ebenso wie der Elan dazu.

Ich habe mich oft selber gefragt, was der Grund war, warum ich auch nie ein Freund von dem salbungsvollen Latein wurde, denn auch diese Sprache hatte mich gereizt ursprünglich und stellte sich ebenso als Hemmschuh in der schulischen Entwicklung heraus… nach langem Nachdenken war mir aber dann klar, dass sowohl Französisch als auch Latein in der Lernumsetzung einen schwergewichtigen Fokus hatten – es wurde nicht dem Prinzip von zum Beispiel Lernprogrammen wie Rosetta Stone und Co. gefolgt (so habe ich mir damals etwas Spanisch beigebracht hatte), also das Erlernen, wie es Kinder machen… sondern der klassische Weg über das lineare Denken von Grammatik, Aufbau, Deklinationen und all diesem Schmafu, der völlig unnötig ist.

Ich hatte nie große Rechtschreibprobleme, ganz im Gegenteil und kann auch in meiner Muttersprache Deutsch schön herumspielen und den Wortfluss formen. Allerdings bin ich, was Grammatik betrifft, ein vollständiger Laie. Mir sind Wörter wie Deklination, Nominativ, Dativ, Konsonanten und all dieses Blabla um eine Sprache Regeln zu unterwerfen natürlich bekannt, aber sie „anzuwenden“ im Sinne von Zuordnung und Co… Nüsse. Kein Plan. Fremdwörter. Ist so. Ja. Interessiert mich auch – mit Verlaub gesagt – eben Nüsse.

Sprache ist für mich Etwas, das man einfach spricht und so wie es auch ein Kleinkind lernt… durch Erfahrung und nicht nach beinahe mathematischen Regeln, Fällen, Mitvergangenheit, Zukunft und so weiter. Viel zu komplex. Einfach sprechen und schauen was rauskommt – und dann langsam im Laufe der Zeit erweitern und anpassen.

So entstand Minmu

Lange Rede, kurzer Sinn. Ich wollte also damals eine eigene, kleine Sprache zusammenbasteln, die ein bisschen der Idee von Esperanto folgte… also eine universale, primitive Sprache, die die Möglichkeit bietet, von fast jedem Erdbewohner relativ leicht ausgesprochen und verstanden zu werden. Auch eine, die ohne große Grammatik und Regelungen auskommt, weniger Buchstaben als das reguläre, deutschsprachige Alphabet beinhaltet und von Grund auf nur einen reduzierten Wortstamm besitzt, der eine rudimentäre, einfache Alltagskommunikation zwischendurch ermöglicht, ohne aber Anspruch auf einen umfassenden Austausch zu erheben.

Einfache Dinge wie „Wann kommst Du?, Wie geht es Dir? Was machst Du morgen? Ich gehe jetzt einkaufen. Ich fahre mit dem Auto. Ich bin hungrig. Ich suche das hier. Ich will schlafen,…“ und so weiter. Also primitive Sätze, die jeder mal irgendwann irgendwie und irgendwo brauchen kann und die nützlich sind.

Es gab und gibt also folgende Voraussetzungen:

Weniger Buchstaben – kein C, K, T, X, Y, Z und keine Umlaute

Ein simples „Steigerungs-“ und „Minimerungssystem“ mit jis und jas

Schnell und sehr einfach zu schreiben und zu tippen

Leicht auszusprechen

keine besondere Satzstellung und dergleichen

begrenzte Wortanzahl… maximal 500~800 Stück, dadurch leicht erlernbar

und auch ansonsten bloß keine komplizierten Regeln

Das Ganze klappt natürlich nur unter der Voraussetzung und dem Verständnis, dass es sich dabei um eine sehr, sehr einfache, rudimentäre und eher beschreibende Sprache handelt. Und ja, es erinnert an Kleinkinder-Gebrabbel und entspricht so ziemlich dem, was wohl jeder als Kind beim Spielen mit Figuren oder zum Spaß einfach wirr daherplaudert. Bruchstücke aus der eigenen Sprache, ein babababa und blubblub und so weiter. Aber dennoch – es funktioniert. Ich konnte damals durchaus lange Texte damit formulieren oder schnell Notizen mit Basis-Infos erstellen.

Nachdem leider der Wortschatz verloren ging beziehungsweise eben verschollen ist, habe ich nun aus den Bruchstücken eine neue Ordnung erstellt.

Der Aufbau

Eines der wichtigsten Merkmale und die absolute Vereinfachung der Vereinfachung ist der reduzierte Wortstamm. Er grenzt künstlich den Sprachwortschatz ein und ermöglicht damit nicht nur das leichtere Merken und Erlernen, sondern auch, dass es die Möglichkeit bietet, dass jede „Wortfamilie“ einen eigenen, festen Anfangsbuchstaben besitzt.

Was bringt das? Sogar dann, wenn ich ein Wort noch nicht kenne oder je davon gehört habe, kann ich es dennoch sofort richtig zuordnen, sobald ich den Anfangsbuchstaben höre… ist es eine Person, eine Tätigkeit, eine Zeitangabe oder ein Ding?

A — Personen ich, Du, sie, wir,…

U I — Bindwörter wie mit, und, oder, ist,…

L — Zahlen

E — Zeitangaben, Wochentage

F — Fragewörter – wann, wer, wo, warum,….

B — Tätigkeiten – sitzen, schlafen, essen, lesen…

M N — Dinge beziehungsweise Gegenstände

Klingt schon mal amüsierend oder fragwürdig, oder? Gut so, denn das soll Minmu ruhig auch sein. Etwas Spaß und Leichtigkeit schadet wohl nie im Leben. Aber gut – weiter im Text, denn das Nächste sind dann sehr einfache Wörter wie zum Beispiel:

ja — ja

ji — nein

ub — und

ubi — oder

ib — ist

ibi — mit

Recht einfach und bisschen seltsam Alles, oder? Ja, aber das ist der Hintergrund. Es geht nicht darum, völlig bei Null zu beginnen, sondern Wörter stark zu vereinfachen und mit simplen Zusätzen anzupassen. Hauptsache, man kann sie dann leicht aussprechen und es ist schnell zu merken – und leicht und kurz zu tippen. Ob es nach Kinderbrabbeln klingt oder nicht, ist da tatsächlich recht unerheblich.

Noch kindlicher wird es, wenn wir uns die Fragewörter zu Gemüte führen und dann mit hochgezogenen Augenbrauen mit folgendem Ergebnis konfrontiert werden – nämlich der ganzen Schöpfungskraft meines Kopfes, der da tatsächlich viel an Überlegung investiert hat. Festhalten, liebe Leser!

fa — Wann

fo — Wo

fi — Wie

fe — Wer

fes — Was

fu — Warum / Weshalb / Weil

Selbstverständlich darf man an dieser Stelle schmunzeln, wenn es aber um das Tippen auf zum Beispiel einem Smartphone geht, dann relativiert sich dann die Fragwürdigkeit schnell, denn ein fa ist schneller getippt als ein wann. Es geht also um harte Fakten und Nutzbarkeit.

Aber es wird noch besser und hier beginnen wir endgültig abstrus zu werden. Wir haben oben bereits gelernt, dass Wörter mit L den Zahlen zugehörig sind. Nachdem Minmu keinen Anspruch auf Vollständigkeit erhebt, belasse ich es mal bei der rudimentären Auswahl von 1 bis 10 und Viele. Auch hier klingt das Ganze nach einem 3-jährigen Kind, auf der anderen Seite ist der Aufbau damit auch nützlich für etwas Anderes, wie wir anschließend feststellen werden.

la — 1

lad — 2

lada — 3

ladas — 4

ladasa — 5

lo — 6

lod — 7

lodo — 8

lodos — 9

lodoso — 10

ladis — Viele

Denn mit dem Aufbau, lassen sich diese Wörter herrlich mit den Wochentagen (E) kombinieren. Das Schwierige ist, dass alle Begriffe in Minmu durchgehend immer so geformt sein müssen zueinander, dass man sie auch in einem Satz aufeinanderfolgend gut und leicht aussprechen kann. Wir werfen also jetzt einen Blick auf die Wochentage – wir gehen weiterhin von 7 Wochentagen aus, also erstellen wir die Kombination mit den Zahlen.

ela — Montag

elad — Dienstag

elada — Mittwoch

eladas — Donnerstag

eladasa — Freitag

elo — Samstag

elod — Sonntag

Ist der Zusammenhang hoffentlich erkennbar? Na immerhin und auch hier haben wir die Möglichkeit, solche Wörter schnell und leicht zu tippen. Wir benötigen kein K oder auch kein T und schon gar kein C, X, Y oder gar Z bis zu diesem Punkt. Und so soll es sein. Vor allem haben wir auch bereits schon die wichtigste Basis für Minmu hinter uns (alle Leser, die bis hierher gekommen sind, waren und sind sehr tapfer) – denn der Rest sind nur mehr die Tätigkeiten und Dinge – also so Wörter wie fahren und Auto zum Beispiel. Schlafen und Bett. Und so weiter. Aber dem widmen wir uns erst im nächsten Beitrag. Der dritte Beitrag wird dann schon das Finale sein.

Übrigens bietet Minmu in der technologischen Zeit heutzutage eine sehr sympathische Bequemlichkeit… denn dadurch, dass jeder Wortstamm einen bestimmten Anfangsbuchstaben besitzt, bietet die Sprache ideale Voraussetzungen für die Worterkennung bzw. die Wörterbücher bei Smartphones zur Wortvervollständigung – also noch schnelleres und einfacheres Tippen… inklusive weniger Buchstaben-Tasten am Display.

Aber jetzt legen wir mal eine Pause ein!