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Miau.

2015-05-09

Es gibt Momente, speziell in der Nacht… da würde ich die Kleinen am liebsten erwürgen. Und ja, ich bin einer von diesen inhumanen Menschen, die auch mal das arme, unschuldige Tierchen anfauchen, weil nach 3 Stunden Schlaf auch meine Stimmung und Liebe nicht auf Knopfdruck die Beste ist. Ich bin auch nur ein Mensch, so wie die Katze auch nur eine Katze ist. Wirklich… es ist so, ganz banal.

Soooo lieb. Oder so.

Ich kann es übrigens radikal nicht ausstehen, wenn man im Netz da und dort in Foren liest, dass man immer sanft und frohen Mutes mit seinen Tieren umgehen muss und sich in der Sonne der Zustimmung suhlende Paradebeispiele an Menschen und Glück präsentieren – mit Aussagen, dass das Alles nur eine Frage der Haltung, der Vernunft und des Willens ist. Welch glorreiche, großartige und erstaunliche Erkenntnis…! Schon alleine für so eine Aussage, sollte man ihnen das Recht zum Wählen entziehen, denn Menschen funktionieren genau anders. Sonst hätten wir all die Schwierigkeiten, die es auf der Erdkugel gibt, schon lange nicht mehr.

Es nervt mich ungemein, wenn sich Haustierhalter als die Götter unter den Gleichgesinnten positionieren und die heile Welt spielen. Erinnert an glückliche, freundliche Familien in einem Ort, jahrzehntelang ein gern gesehener Teil der Gemeinschaft, immer lustig, immer glücklich… und am Schluss endet das Glück mit Mord und Selbstmord in der Tageszeitung, weil die Eheprobleme immer schlimmer wurden – und hinter der Fertigteilhaus-Fassade mit Garten und Grillabenden das Grauen von Gewalt, Missbrauch und Frust verborgen lag.

Wer mir weis machen möchte, dass er immer nur voller Glück seine Fellkugeln oder was auch immer anstrahlt, nie die Stimme erhebt, nie mal genervt anherrscht oder nie das Fluffi beiseite schiebt, ist entweder ein Schauspieler, ein geistiger Maurer, der sich selber ausmalt und die Flecken oberflächlich übertüncht, spielt gerne „an das kann ich mich nicht erinnern“ oder stellt schlicht und ergreifend eine nicht authentische und gewünschte Fiktion dar.

Gut, mag sein, dass es tatsächlich Menschen gibt, die ihr Tier so heiß lieben, dass es schon fast einen goldenen Sockel bekommt… das sind aber auch die Gleichen, die immer mit hoher, feiner Stimme das Tier auf Kleinkind-Niveau bezirpen, lustige Spiele mit Federstock oder Quietschtierchen abarbeiten und egal was das Tier anstellt, es wird gekuschelt, gebusselt und geherzt. Ooohhh! Aber ganz ehrlich… das ist kein Leben. So etwas macht mir Angst. Das ist schon bei Kindern so, die in einem solchen Umfeld aufwachsen und dann im Leben stehen – die Meisten scheitern an sich selbst oder die Gesellschaft dann an ihnen und zudem fehlt die Natürlichkeit.

Eine Katzenmutter umschmeichelt auch nicht mit sanften Pfoten das Kätzchen, wenn es das 100. Mal in den Schwanz beißt. Ist so. Und wenn in der Nacht das 100. Mal etwas hinunter donnert, dann ja, fauche ich das arme, hilflose Kätzchen an, dass es das bitte belassen soll. Und nein, ich packe nicht das Psychologie-Handbuch der Felltiere jedesmal aus und bestimme den Streßfaktor, die fehlenden Bedürfnisse, die gerade unterfordert oder vermisst werden, das Verhalten und die Jahreszeit und meine eigene Stimmung, die dafür vielleicht maßgeblich wirkend ist.

Nein. Ich lebe nicht im TakkaTukka-Land und alles ist rooosa und voll liiieb und die Katzen sind nur hilflose Sklaven menschlichen Egoismus, der damit seine eigenen, emotionalen Bedürfnisse nach Liebe, Zuneigung und bedingungsloser, funktionierender und ergebenen Gesellschaft auf Meta-Ebene befriedigt. Der letzte Teil betrifft jeden Mensch, der irgendein Tier „hält“, aber ansonsten ist das Lebensniveau nicht schwarz & weiß, tut mir leid, liebe Katzenfreunde mit dem Federstock und dem Kraulkissen.

Meine Katze hat heute Nacht kein Schnurrli-Burli-Hasi-Putzi, Du bist so arm und es tut mir so leid, dass ich Dir das antue hören dürfen, sondern ein lautes und klares Fuck you!

Und trotzdem habe ich sie lieb, man stelle sich das nun mal verwundert vor. Menschliche Abgründe, ja.