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Langsamer Kakao

2015-03-06

Mit kleinen Schritten geht es in kleinen Etappen voran, aber schön langsam runden sich viele Ecken ab und es wird greifbarer. Stefan und ich basteln dezent und unauffällig im Hintergrund munter immer wieder in kleinen Blöcken an unserem Projekt und einer Idee, die bereits voriges Jahr im Laufe des Sommers entstanden ist. Kleine Interviews & Reportagen. Und je greifbarer so ein „Ding“ wird, umso mehr wird man auch selber neugierig, wie sich so ein Ding formt und entwickelt.

Stück für Stück... langsam wird es.

Es fühlt sich auch ein wenig seltsam an, denn es ist ja nicht das erste „gemeinsame Ding“, dass da online entsteht, sondern reiht sich in den Setzkasten der anderen Ideen und Umsetzungen meiner bisherigen Laufbahn in der Welt von visueller Elektronik und Vernetzung. Eine Projekt durfte ich ein paar Jahre lang begleiten, eines führte ich selber fast acht~zehn Jahre lang durch die heimische Modewelt (mit kleinen Pausen), bevor ich es in den Ruhestand schickte und dann gibt es eben noch so kleine Nebenfluffis wie zum Beispiel das vor einiger Zeit – auch nach Jahren – stillgelegte Blosxom oder der alte Blog (also eigentlich die alten Blogs), die ebenso viele Jahre lang treue Begleiter in meinem Leben waren.

Jedes für sich war immer sehr spannend, hat jedesmal neue Türen geöffnet und neue Wege im Leben geformt… rückblickend gab es kein Einziges, wo ich jemals die Zeit, die ich in diese Aufgaben stopfte, bedauerte und es gar bereute. Ganz im Gegenteil, denn es waren quasi sowas wie eigene, kleine, digitale Kinder, die man in die Welt setzt… anfangs noch ein paar wenige, holprige Code-Zeilen, man beginnt aber dann sie langsam aufzuziehen, zu befüllen, wachsen zu lassen, zu verbessern und zu erweitern… so wie Kinder groß werden eben. Sie reifen.

Auch werden solche Projekte wie Kinder krank, leiden dann zwar nicht an Grippe oder Masern, aber dafür an Hacks, Datenbankfehlern oder sind schwach und langsam, weil der Provider nicht genug Ressourcen zur Verfügung stellt. Oft genug bin ich um Mitternacht oder auch mehrfach in der Silvesternacht an einer Seite gesessen und habe mit digitalen Pflastern irgendwas gerichtet oder angepasst. Einmal gab es sogar eine Bindehautentzündung, weil ich völlig verbissen Tage lang durchgehend an einer Seite bzw. einem Release gebastelt hatte… Druck, Stress, innerer Zwang.

Die Zeiten sind aber bei mir eindeutig vorbei. Mittlerweile habe ich sehr gut gelernt, wo die Grenzen zwischen gesunder Wirkung und der Dosis an Gift liegt. Nächtelanges Herumklopfen lasse ich mittlerweile größtenteils sein oder nur mehr stundenweise, wenn es gerade wirklich notwendig ist, aber ansonsten gehören Schlaf, frische Luft und Pausen von der Mattscheibe definitiv zum digitalen Alltag dazu. Ich mache mir da keinen Stress mehr.

Deswegen habe ich auch kein Problem, dass die alten Blogbeiträge nicht mehr online sind, dass ich da nichts mehr in der Hand habe, wo ich sagen kann „Jaja, schau nur… die 1000+ Seiten sind von mir, sei beeindruckt und bete mich unterwürfig an“ – auch das hat sich geändert. Einerseits weil mir der geringe Wert dieser Dinge bewusster geworden ist, aber auch, weil es ein Wettkampf ist, den man so oder so nie gewinnen kann… denn es gibt immer irgendwo jemanden in der Blase der Bits und Bytes, der besser, schneller, großartiger und genialer ist. Das ist Etwas, das einfach eine Basis des Lebens ist und man akzeptieren kann und sollte. Und das geht mittlerweile sogar recht gut bei mir.

Klar, manchmal ärgert man sich noch immer über andere Seiten oder Projekte und denkt sich „Naja, der kocht ja auch nur mit Wasser, aber trumpft groß auf… pah!“, aber in Wirklichkeit tun das eigentlich eh alle irgendwie. Wir alle kochen sehr viel Reis mit sehr viel Wasser und noch mehr Dampf… stopfen damit neugierige Mäuler und Leser tagtäglich voll, alle haben anschließend das Gefühl, dass sie vollkommen gesättigt sind und zugleich aber bleiben sie weiterhin immer hungrig nach was Neuem.

Nicht nur eine Metapher, sondern es ist auch ein Kalkül. Ein Konzept und es ist bewährt. Ausnahmen darunter bestätigen erst recht die Regel, die es ja sonst nicht geben könnte und im Großen und Ganzen ist diese digitale Welt ein bisschen wie eine Kunstausstellung von Alltagsgegenständen. Künstlich gepusht.

Hier ein Topf, hier koche ich, hier schreibe ich, ein Salat, da fahre ich mit dem Auto, das sind meine Tränen, das meine Wut, hier mein Bettlaken und dort meine Depression und Trauer. Hier Freunde und Freude in einer Hand, hier ein Schicksal, dort eine Katze und an dieser Wand hängt die Hoffnung. Bitte schauen Sie genau hin!

Alles Dinge eigentlich, die jeder zuhause und in sich selbst hängen hat oder herum trägt, aber im Netz formt man daraus gefragte Produkte, Projekte, Blogs und soziale Zentren und zieht Kunden an, die sich daran erfreuen, mitfiebern, ergötzen oder sich darin nur zu gerne verlieren. Wir sind eigentlich alle Fenstergucker könnte man sagen, wobei das Fenster mittlerweile tragbar geworden ist und mit Strom läuft.

In Arbeit

So gesehen ist das „neue“ Projekt ebenfalls nur ein weiteres Fenster diverser Alltäglichkeiten, nichts Spannendes oder gar Gewagtes, aber genau dieses Wissen und die Erkenntnis daran durch die letzten Jahre… und jetzt nehme ich ein gewagtes Wort zur Hand…. und die ‚altersbedingte Reife‘ meinerseits, die auch voranschreitet, hilft, dieses Vorhaben sehr locker, nüchtern und ruhig zu sehen.

Man macht es einfach für sich selber, es ist eine Spielwiese der eigenen Interessen und gar nicht mal so sehr der Drang, die andere Menschheit da draußen erneut zu unterhalten und ständig am Puls der Zeit zu sein. Denn das ist sowieso fast nicht mehr möglich, zu schnell, zu komplex ist alles, deshalb ist es einfach etwas „Persönliches“.

Der kleine Hinterhof mit guten Dingen, wo man Freunde und neugierige Passanten einlädt, gemeinsam einen Schluck zu trinken, zu philosophieren und über das Leben zu plaudern. Mehr braucht es auch nicht. Und unter diesem Gesichtspunkt führe, zumindest ich, auch sonst meine digitalen Tätigkeiten mittlerweile. Der Stress in mir ist damit gesunken, verloren gehen kann sowieso kaum noch etwas, da eh schon fast alles mindestens drei- oder vierfach im Netz vorhanden ist… und zumeist sowieso kaum über eine Lebenszeit von zwei-drei Jahren kommt, sprich bis das User-Interesse verloren geht, der „Markt“ sich ändert, man selber die Lust dazu oder das Leben anderweitige Herausforderungen stellt und so weiter.

Konkurrenz schafft man sich also nur selber im Kopf und das Ziel – und dieser platte Klassiker hat trotzdem recht – ist der Weg selbst. Nicht das Ende, wo dann das Abenteuer schon wieder vorbei ist.

Deshalb freue ich mich auf dieses Fluffi-Ding nebenbei – es wird dauern, bis es sich befüllt und Leben darin auffindbar sein wird (im April wird es ein erstes Lebenszeichen geben), Wochen und Monate werden dabei immer wieder verstreichen und viel Ruhe dabei Einkehr halten. Stefan und ich haben auch noch andere „Fluffis“ im Leben zu hegen und zu pflegen schließlich. Aber vielleicht ist es auch genau das, was es (dann) gut, angenehm und sympathisch macht.

Da ich ja leider kein Weintrinker bin, verändere ich die Philosophie mal eben: Nur in der Ruhe, im Abendlicht des Sommers, auf der warmen Wiese und mit dem richtigen Glas Kakao unter guten Freunden, liegt die Würze des Lebens.

Condayauendi Ierhayde cha nonhwicwahachen.

Howgh, so ist es.