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Keine Lachs-Makis

2014-10-05

Ja, klar esse ich das. Etwas Reis in Nori eingewickelt, dazwischen eingepresst ein Stück Lachs. Sehr banal, aber köstlich und ich mag das sehr… man kann viel davon essen und bleibt dann auch sogar etwas satt und besonders viel an bösen Stoffen finden sich da vermutlich auch nicht wirklich darin.

In letzter Zeit ist es öfter vorgekommen, dass ich beim Heimfahren auf halber Strecke noch bei so einem kleinen Asiaten-Nudel-Sushi-Shop stehen bleibe, mittlerweile gekonnt das Rad dort vor der Türe verankere und zielsicher die immer gleiche Box an Lachs-Makis bestelle. Etwas Reis, etwas Lachs und ein paar Algenblätter kosten da 1,99 der Euronen und man kann sechs mal den Gaumen kurz füllen. Klassiker eben und es reicht um den restlichen Tag wieder Kreislaufstabil zu überstehen und die Kurbel zu treten. Geht wohl vielen so, denn wenn man da dann so an der Wien beim rostigen Brückengeländer sitzt, stopfen sich mindestens drei Mitmenschen neben einem ebenso schmatzend ihre Reisportionen in den hungrigen Mund.

So weit so gut, aber wenn man sich ehrlich ist, kostet eine Reispackung mit der 50-fachen Menge ebenso nur 2 Euro, die paar Blatt an Noris fallen auch nicht wirklich ins Gewicht und ja, Lachs ist teuer, aber eine niedrige Standard-Grammpackung reicht vollkommen aus, um damit locker an die 20-30 Makis in edler Handarbeit zu befüllen.

Also ist „Selber machen“ angesagt – das mittlerweile vierte Mal, dass ich mich der Aufgabe stelle, um mir selber eine einfache, billige und sparende Unterwegs-Mahlzeit zu basteln. Schließlich gehört das Essen neben der Miete zu den größten Fix-Ausgaben in meinem monatlichen Alltagsleben und ein paar Einschränkungen in der Routine schaden ja nun wirklich nicht.

Aber Makis selber machen klappt auch nur dann, wenn man es auch wirklich richtig macht. Denn einfach etwas Reis kochen, abseihen und dann in die grünen Blätter einschlagen, nachdem man etwas Lachs eingestreut hat, ist etwas zu wenig und der Geschmack erinnert einem sofort daran. Der passende Rundkornreis empfiehlt sich da besser, etwas Reisessig, Zucker und Salz zum Abwürzen der fertig gekochten Masse sollte ja dann doch irgendwie ebenso Teil des Ganzen sein und eine schöne, runde und trotzdem leicht angeformte Kante in der Rolle rundet (ha, Wortspiel) das perfekte Makiröllchen dann erst so wirklich ab.

Aber trotzdem… es schmeckt, es kommt recht gut hin und es schont den Geldbeutel deutlich. Dennoch – egal wie, auf die geheimen chemischen Zutaten der kleinen Taschenbox-Lokale zu verzichten heißt auch ein anderes Geschmackserlebnis. Auch wird der Reis nicht so schön fest und trocken, wie bei den Makis in der Tasse und es fehlt ganz sicher sogar vermutlich der Geschmacksverstärker. Ist halt wie Bio-voll-Natur-DIY-Essen, das man selber zuhause kocht und sich dann stolz und bemüht über den natürlichen Geschmack der erbrochenen Schleimsuppe freut, um ein paar Tage später doch heimlich die Würfel-Gewürzmischung aus dem Supermarkt wieder einzustreuen, um mit feuchten Augen im Glutamat-Geschmack und künstlichem Zuckerersatz einzutauchen und eine Geschmacksexplosion im Mund zu erleben. Sind wir uns ehrlich… ist doch so. Ein Hoch auf die böse Massen-Chemie-Industrie!

Ich lasse es also wieder bleiben mit den selbst gemachten Lachs-Makis im Alltag. 30 Stück am Tag brauche ich nicht und anders rentiert sich der Spaß ja ebenso nicht wirklich, wenn der Reis erstmal 20 Minuten lang dahin köchelt, gerollt, gepresst und geordnet werden möchte, nur um dann 5 Sekunden später weggemampft zu werden.

Und ich werde also auch weiterhin, wenn ich zufällig an dem besagten Lokal vorbeikomme, reinstapfen, umständlich eine abgegriffene 2 Euro-Münze aus der Jacken-Tasche rausholen und mich über die sättigende Diät in der kleinen Plastikbox mit etwas Soja und Wasabipaste freuen. Ist nicht rational erklärbar, aber Katzen und Lachspackungen in der Wohnung sind ein echter Kampf. Das Plastikschachterl-Essen unterwegs schafft da einfach deutlich mehr Freiheiten und so am Boden rumhockerln hat ja auch was Nettes. Retro-Feeling an die gute Jugend sozusagen.

Somit… Reis rein und Bauch weg – das ergibt sich dabei von selber. Auch ok.