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Wippendrehbank

Dieses Projekt ist momentan gerade im Entstehen, deswegen sind die folgenden Texte und Bilder nur ein vorläufiger Einblick. Die generell Kurzfassung ist, dass ich schon länger die Idee einer selbstgebauten Drehbank mit mir durch die Welt trage, ohne aber je das Projekt in Angriff genommen zu haben. Dies vor allem auch deswegen, da ich eigentlich als fader Stadtbewohner nur selten Holzwerkzeuge brauche bzw. sie überhaupt anwenden kann.

Dennoch habe ich vor einigen Wochen mal damit begonnen und bin anfänglich gleich mal etwas geblendet der klassischen Idee einer mit Motor und Schwungrad betriebenen Drehbank gefolgt. Eine nicht zu unterschätzende Sache, denn da lassen gleich mal Welle, Stellringe, Kugellager und dergleichen grüßen oder man findet ein passendes, hartes Holz und fertigt daraus Lager an und so weiter. Und vor allem Bedarf es gerader Bohrungen, wenn man eine Antriebsscheibe gerade auf einer Welle befestigen möchte - ohne vernünftigen Tischbohrer und per Hand ist das so eine Mmmrrr-Sache, die bei jeder weiteren Scheibe bunte Fertigungsmaße erzeugt.

Wie auch immer. Per Zufall bin ich dann aber über das Konzept bzw. die Idee der Wippendrehbank gestolpert - ich hatte diese Erfindung aus dem 13. Jahrhundert tragischerweise komplett übersehen bzw. gar nicht in Betracht gezogen. Ein Foto im Netz sowie ein Video öffneten mir aber die Augen... das ist ja eigentlich das, was ich will. Kaum bewegliche Teile, kein Strombedarf und lässt sich quasi überall betreiben. Jetzt halt das Ganze aber im Stadtwohnungsmaßstab.

Kurzerhand bin ich am nächsten Tag in den Baumarkt gefahren, habe mir ein paar Leisten geschnappt, aus meinem Fundus alte Regalhalterungen, Schrauben, eine Gewindestange, zwei Federn und eine Schnur geschnappt... los geht's.

Der Bau der Drehbank

Es sind leider nur Fotos von meinem alterschwachen, zerkratzten Mobiltelefon, aber es reicht hoffentlich für einen groben Eindruck.

Das sind mehr oder weniger die Materialen. Ein paar Leisten, eine Gewindestange, eine kleine Hand voll Flügelmuttern und Beilagscheiben.

Auf einen Plan verzichte ich, stattdessen habe ich mir ein paar Fotos angeschaut und baue mehr oder weniger ins Blaue hinein. Als einziges Messinstrument dient mir das Lineal, da allerdings auch nur die Breite. :) Den Rest entnehme ich dem jeweils zuerst gesägtem Holzstück, das ich wiederum halt grob per Auge abschätze.

Das Bohren ist so eine Sache, denn dieser Schrott-Bohrständer verzieht ausnahmslos und immer ordentlich... somit sind alle Löcher nur ungefähre Annäherungen an das, was ich eigentlich wollte. Alles passiert zwischen Laptop, Katzen und Esstisch.

Ich möchte nichts leimen oder gar nageln, sondern die komplette Drehbank soll mit einheitlichen Muttern und Gewinden zusammengehalten werden - und damit bequem zerlegbar bleiben. Außerdem lässt sich dann jedes Bauteil einfach jederzeit austauschen, adaptieren oder bearbeiten und billig ist es auch. So eine Gewindestange ist schnell zurechtgesägt... übrigens zahlt es sich aus, im Vorfeld eine Flügelmutter aufzuschrauben, damit man sie danach runterdrehen und damit das zersägte Gewinde an der Schnittstelle wieder gerade biegen kann.

Mal das Ganze aufstellen. Unten sind zwei Leisten, deren Mitte die Führungsschiene für die Werkstückhalterung ergeben, rechts und links sind die Stützstangen und oben liegt gerade ein dünneres Holzstück nur auf, das dann später ebenso mit zwei Gewindestückchen und Flügelmuttern noch fixiert wird. Im Endeffekt mehr oder weniger ein Holzrahmen.

Flügelmuttern auf beiden Seiten machen das ganze "Setting" äußerst einfach, billig und effizient. Und leicht baubar, denn außer einer Säge und Bohrmaschine benötigt man sonst kein Werkzeug.

Zwei Regalstützen vom Ikea dienen als Werkstückhalterung. Bequemerweise sind sie bereits an den passenden Stellen vorgebohrt - ha! \o/

Hier beim Markieren des Zuschnitts - unter jeder Stütze montiere ich hochkant eine Leiste (ausnahmsweise jeweils mit zwei Holzschrauben). Die passt genau in den Zwischenspalt, während die Regalstützen etwas breiter sind und somit gut auf dem Holz aufliegen.

Bei den meisten Wippendrehbänken (Pole Lathes, englisch) werden entweder Gummiseile oder auch lange, federnde Äste bzw. Stangen oder Leisten genommen, die die Schnur wieder nach oben ziehen soll. Ich verwende einfach Metallfedern, weil sie kompakt, solide und jederzeit leicht austauschbar sind und sich auch gut verstauen lassen, zudem lassen sie sich leicht mal eben montieren und billig sind sie auch (ca. 1~2 Euro). Einfach einhängen und fertig.

Ich hatte vergessen, den nächsten Schritt zu fotografieren, aber man sieht es am Bild oben eh - damit die beiden eingeschobenen bzw. eingelegten Halterungen nicht nach oben rausheben bzw. sich auseinander schieben durch das Werkstück und das anschließende Bearbeiten selber, habe ich einfach bei jeder Stütze zwei Holzleistenstücke mit je zwei Gewindestücken und Flügelmuttern oben und unten montiert. Einfach die Verschraubung lockern und die Stützen hin und herschieben, bis das Werkstück passend gehalten wird und mit Hilfe der Muttern alles festmachen. Das war's.

Oben sieht man testweise bereits ein Holzstück, das mit zwei Ikea-Regal-Schrauben (von irgend einem Kästchen) gehalten wird. Die habe ich zusätzlich auf einem schrottigen Schleifgerät an den Schraubenden angeschliffen bzw. zu einem Dorn gespitzt und auch das Gewinde abgeschliffen, damit sich nichts festdreht. Mit einem Ikea-Inbusschlüssel, der hier gerade angesteckt ist, kann man dann die Halterung des Werkstückes feinjustieren bzw. während des Drehens auch mal nachstellen, weil das Werkstück beim Drehen sich natürlich im Laufe der Zeit an diesen Stellen mehr und mehr ausleiert.

Und hier nun die fertige Gesamtansicht des oberen Teils. Praktischerweise verfügt mein Tisch über trennbare Platten, so dass ich hier sogar die Schnur durchlaufen lassen und unten eine Holzleiste als Fußwippe montieren kann. Zumindest eine provisorische Lösung, bis ich auch die fehlenden Standfüße bzw. einen Bock gebaut habe. Die verschwommenen Poster an der Wand sind übrigens keine kotzige Aquarell-Kunst, sondern nur via Gimp maskierte Bilder - man muss nicht alles sehen. ;)

Der erste Versuch

Nun wagen wir den ersten, großen Test... wir befestigen oben eine gewachste Kordelschnur an dem Federpaar, umwickeln das (sehr kleine und dünne) Holzstück zweimal und lassen sie durch den Tischspalt weiterlaufen und befestigen sie unten an einer alten Holzlatte. Ein Stechbeitel, der völlig überdimensioniert ist, dient mal als vorsichtiger "Kratztest" und als Stütze ein Holzbrett von einer Ikea-Schublade.

Damit die Wippe nicht wegrutscht, habe ich einen alten Querbalken genommen und beschwere ihn mit meinem Körpergewicht - mit einem Fuß "wippe" ich nun fröhlich vor mich hin. Nom nom, das Holzstück dreht sich vor und zurück, durch die Umwicklung zweimal komplett und Lärm macht es dabei auch kaum. Das blaue Handtuch unter dem Tisch verhindert ein "laut auf den Boden knallen", falls die Schnur reißt. Den Nachbarn zuliebe. :)

Mir reißt aber natürlich gleich mal die Schnur, aha - also die Federn oben etwas verschieben und unten den Durchlauf zur Wippe so positionieren, dass die Schnur sich (klarerweise) nicht selber bei der Umwicklung in die Quere kommt, also leicht schräg alles. Und siehe da... es klappt sogar. Der Rahmen ist erstaunlich stabil und solide, obwohl er noch keine (!) Querverankerungen hat und auch nirgends am Tisch befestigt ist. Dennoch: das Holz verliert seine Form und gewinnt zugleich eine Neue. \o/

Oha, das schaut ja schon nach richtigem Drechseln aus... hätte ich ein weicheres und größeres Holz und nicht diesen staubtrockenen, dünnen, extrem harten, brüchigen Holzknochen, würde es sicherlich flotter gehen, aber dennoch... für den geringen Aufwand mit ein paar Bohrlöchern und dem bisschen Sägen klappt das wirklich recht gut.

Wuuuuhhuu... Mein erstes selbstgedrehtes Werkstück auf meiner ersten, selbstgebauten Drehbank. (John Cena Musik an dieser Stelle denken) \o/ Ich muss ganz ehrlich sagen, dass ich mich schon ein wenig freue und sogar ein ganz klein wenig stolz auf mich bin. :) Gesamtaufwand für das Ganze ohne den Einkauf übrigens: ca. 1 Stunde. Kostenpunkt vermutlich ca. 20 Euro oder so, wenn man auch Federn und dergleichen berechnet - wer passendes Holz und Schrauben griffbereit hat, schafft das auch um 0 Euro. Allerdings fehlt noch das Wichtigste: ein stabiler Bock als Stand und eine vernünftige, daran befestigte Wippe... da muss ich noch tüfteln und mich umschauen.

Und hier ein mir ebenfalls wichtiger Teil: das Zerlegen. Dauert genau 2~4 Minuten und es reichen nur die Flügelmuttern dazu aus, die man sehr bequem einfach mit der Hand aufschraubt. Die Befestigungsblöcke bei den beiden Halterungen abnehmen, die Halterungen aus dem Führungsspalt entnehmen, die Federn abhängen und die Rahmenteile lösen. Fertig. Party! \o/