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Weg damit

Geschrieben am: 06.11.2010

Ein Rückblick in die eigene, historische Geschichte... Es gab mal eine wunderbare Zeit, in der ich USB-Sticks als das ideale Mittel für jede Form der Daten hielt. Damals hatte ich nicht nur einen Großteil meiner Daten auf ihnen ausgelagert, um zwischen mehreren Computern leichter zu wechseln, sondern auch gleich diverse Linux-Versionen um jederzeit und überall "mein eigenes" Betriebssystem starten zu können. Und so schlich sich der USB-Stick immer mehr und mehr in mein Leben ein, bis es zu einer völlig normalen Gewohnheit wurde, dass eines der ersten Dinge in der Früh war, einen der unzähligen Sticks in den Computer zu stecken und damit zu starten. Normale Festplatten kannte ich fast nicht...

Nun bin ich ein Verfechter der anderen Seite - wohlgemerkt aus Selbstzweck. Denn ersten habe ich vor ca. 1-2 Jahren einen USB-Stick verloren und bis heute weiß ich nicht, wo er geblieben ist. Und noch unangenehmer war, dass ich natürlich keine Ahnung hatte, was für Daten auf ihm drauf sind. Eben der klassische Klassiker. Verschlüsselt? Nein. Unsensible Daten? Könnte sein.

So ein Erlebnis ist natürlich lehrreich und gehört vermutlich zu einer Erfahrung, die jeder wohl irgendwie und irgendwann macht. Oder man löscht den Stick versehentlich oder die Daten sind eines Tages schlichtweg defekt. Nun gibt es mehrere Ansätze... entweder man verwendet einen USB-Stick (alles natürlich nur auf den privaten Einsatz bezogen) tatsächlich ausschließlich um kurz Daten von einem Gerät auf ein anderes zu übertragen - und das war's. Oder man lagert tatsächlich Tools, Accounts und sonstiges auf ihnen aus - und verschlüsselt sie. Beispielsweise mit TrueCrypt - mein persönlicher Favorit übrigens für solche Zwecke.


Theorie vs. Praxis

So weit die Theorie - die Praxis schaut bei mir im Alltag leider ganz anders aus... denn ich bin zu "faul". Damit meine ich nicht tatsächlich zu faul, um etwas zu tun - aber man darf den Aufwand an Zeit nicht unterschätzen, speziell wenn es sich um mehrer Sticks handelt und den jeweilig verschiedenen Anforderungen an die Verschlüsslung (komplett, teilweise, nur bestimmte Dateien,...). Irgendwann beginnt man dann dreimal zu überlegen, ob man den Stick wirklich gerade benötigt und so reduziert sich langsam und ebenfalls schleichend der USB-Stick-Konsum.

Vor kurzem habe ich nun beschlossen, zumindest privat, völlig auf sie zu verzichten. Nicht nur, um einen Sicherheitsfaktor zu gewinnen, sondern auch gleich um mich selber zu zwingen, mal nachzudenken, ob ich wirklich all diese Daten und Accounts und Systeme und Ordner und Infos und Dokus und Tools und Spiele und Backups und Fotos und Filme und so weiter benötige? Nach fast 10 Jahren Webdesigner und Computer-Freak sein will ich außer surfen, bloggen und Emails schreiben, privat eigentlich nichts mehr an den Kisten machen. Jede unnötige Minute am Gerät ist verlorene Zeit.

Tja, das schreibt sich leicht, aber irgendwie findet doch jeder von uns irgendwas am Computer, das man tun kann, sobald man davor sitzt. Schätzungsweise sind 60% davon unnötige Dinge. Also, wie kann man sich selber als Computer-Mensch in ein Kindergitter sperren, dass einem aber mehr Freiheiten, Erholung und Entspannung bietet? Abdrehen... Klar. Man kann den Fernseher auch abdrehen. Das Radio. Man kann auch brav jeden Tag in der Woche ins Fitness-Center gehen und jeden Tag brav das Geschirr abwaschen - direkt nach dem Essen. Und immer gleich jedes einzelne Bröselchen vom Boden aufheben und immer gleich zurückrufen und immer gleich zurückschreiben... aber mal ganz ehrlich... wie schaut die durchgehende Alltagsrealität aus? Es gibt immer eine Mischung zwischen Effizienz, Form, Regeln, Plan und dem ganz normalen, humanen Leben und dem Genießen.


Die Lösung

Man entzieht sich selber die Ressourcen. Ähnlich wie wenn man auf Schokolade verzichten möchte... Ende der Woche keine kaufen, dann hat man am Wochenende nichts... hält man das lange genug durch, vergeht der Appetit darauf von selber. Gelungen ist das im elektronischen Leben allerdings auch erst, indem ich meine Daten enorm reduziert habe, viele Accounts aufgegeben und noch andere Optimierungen getroffen habe. Ein Beispiel wäre, wie in den letzten Einträgen näher beschrieben, der Umstieg auf Textdateien - für praktisch alle Arten von Informationen - und damit benötigt man nicht mehr als einen simplen Text-Editor. Sei es für Aufgaben, Kontakte, Account-Details bzw. Zugangsdaten, Unterlagen und vieles mehr. Ich habe dazu beinahe alle Word/Writer/PDF-Dokumente aufgegeben - ganz ehrlich, muss ich überall eine fette, dicke Überschrift für meinen Eigengebrauch haben? Muss man etwas unterstreichen oder fett hervorheben? Auch das kostet Zeit... für nix. Der Kern der Lösung liegt schon alleine darin, auch die Inhalte zu reduzieren, zu vereinfachen und zu kürzen - dann sinkt auch der Bedarf an Formatierungen. Oder noch besser... müssen wir jedes Fuzzelchen erfassen, dokumentieren, speichern und übertragen?

Aber nicht nur Text-Inhalte habe ich spürbar reduziert und vereinfacht - in den letzten zwei Tagen habe ich meinen Computer auf doppelte Dateien und dergleichen prüfen lassen und konnte alleine damit beinahe 20 GB einsparen (Grund waren diverse Backups und Sicherungen von Projekten und Fotos). Es ging aber munter weiter - auch alte Tools, Programme sowie Videos flogen von der Platte, ebenso wie unnötige Spiele, die man zuletzt vor einem halben Jahr angerührt hat. Tja, was soll man sagen... mehr als 450 GB weniger.

Und das beeindruckende - mein persönlicher Ordner mit den wichtigsten Infos, Daten, Textdateien plus mehr als 5100 Fotos, die ich alle auf ein gesundes Maß verkleinert habe, benötigen nun gerade mal in etwa 1 GB. Man könnte das fast als lächerlich bezeichnen und dennoch habe ich weiterhin alle "lebensnotwendigen" Daten und Infos für einen fröhlichen Alltag. Nichts an virtueller oder an Lebens-Qualität verloren dadurch.

Ein weiterer Vorteil liegt an diesem simplen System, dass ich nun überall auf allen Geräten nach dem selben Schema vorgehe - und egal ob Linux, Windows oder Mac ich überall mit den Standard-Programmen zurecht komme. Irgendwie hat sich der USB-Stick dadurch in meinem privaten Leben völlig eliminiert.

Nochmal kurz zurück zur Verschlüsselung: soweit kann ich es sagen - ich habe alle meine wichtigen Daten und Zugänge in einfachen Textdateien erfasst, benötige dazu also keine eigenen Tools mehr - und nur diese kleine Datenmenge verschlüssel ich permanent mit TrueCrypt. Platzbedarf für das vollständige "sensible" Leben: 2 MB.