Startseite
Updates · Suchen

VDE - Video Display Editor

September 2018

Was habe ich denn da unlängst nur für ein feines Stück an alter DOS-Geschichte entdeckt!? Von der ersten Sekunde an bin ich in das Teil schwer verliebt und habe es nun ständig und immer wieder offen, schreibe, tippe und formuliere Gedanken aus. Ich habe quasi eine Schreibmaschine für den Bildschirm entdeckt. Und nach anfänglicher Begeisterung wurde sogar mein ebenso geschätzter Semware Editor und das gute, alte Wordstar, das ich aus nostalgischen Gründen immer wieder mal nutzte, damit bereits abgelöst.

VDE findet seine Wurzeln im VDO (Video Display Oriented Editor) aus dem Jahre 1982 - also entstand ein Jahr nach meiner Geburt, deswegen wohl die Sympathie meinerseits - und wurde im Laufe der Zeit von Eric Meyer im Jahre 1984 (in Assembler geschrieben) und auf weiterer Grundlage des nachfolgenden VDO-EX adaptiert, optimiert und weiter angepasst. Mittlerweile ist es schwierig geworden, im WWW noch Infos zu all den alten Tools aufzutreiben, aber glücklicherweise findet sich in diesem Fall sogar eine Info-Seite.


Nicht nur, dass VDE in einer DOS-Emulation rasend schnell läuft, er startet dank angepassten Shortcut am Linux/Windows-Desktop auch in einem Bruchtteil einer Sekunde und ist sofort da. Man kann im selben Moment quasi lostippen. Auf meinem großen Monitor erscheint die Anzeige (hier auf den Screenshots zu sehen) in Fullscreen, aber die Auflösung ist dennoch scharf und satt (was man hier auf den runtergerechneten Screenshots nicht sieht). Keine Pixel, nichts verschwommen, gar nichts. Es könnte eigentlich eine nagelneue Software sein, die schlicht und ergreifend auf unnötige Grafiken verzichtet.

Für alles Notwendigkeiten gibt es Tastenkürzel und sobald man sie mal weiß und sich das Wichtigste gemerkt hat, benötigt man auch nicht mehr die eingeblendete Hilfe mittels der F1-Taste... also keine Menüleisten oder sonstiges, störendes Zeugs am Bildschirm. Mit STRG oder ALT und verschiedenen Tasten lassen sich dabei alle Shortcuts in Bruchteilen einer Sekunde aufrufen.

Da man heutzutage sowieso am Besten mit einer MarkDown-Formatierung und dergleichen arbeitet, bietet auch der alte VDE alles, was das Herz an Formatierungen begehrt.

Hat man die Shortcuts intus, dann springt man wie ein Eichkätzchen von Block zu Block, von Zeilenanfang zum Ende und zurück und so weiter... herrlich!

Man darf sich nicht überrollen lassen und davon ausgehen, dass es soviele Kürzel sind, dass man sie sich nie merken kann. Sind sie nämlich in Summe nicht und zudem benötigt man im realen Alltag sowieso ja nur einen Bruchteil davon.

Auch eine großartige Sache - ebenso wie Wordstar und andere Erfolgsträger der damaligen Zeit, unterstützt VDE ebenfalls Makros. Mal eben den immer gleichen Textblock in der immer gleichen Formatierung einfügen, wie zum Beispiel einen Briefkopf? Oder mal eben in mehreren Dokumenten bestimmte Wörter austauschen und noch andere Dinge anpassen? Kein Problem. Sie lassen sich anlegen, editieren, ausführen und auch auf Tastenkürzel legen. Wer sich Zeit nimmt, kann hier auch richtige Logiken und Abfragen sowie Abläufe einbauen.

Ganz klassisch kann man auch wunderbar "textuell" Zeichnen. Solche Boxen und andere "Grafiken" findet man in vielen, alten Textdokumenten der Pionier-Generation der digitalen Zeit. Und war in meinen Augen als Formatierung immer völlig ausreichend.

Natürlich kann man auch die ganzen Absatzzeichen und dergleichen während des Schreibens ausblenden und/oder auch alternativ die Druckvorschau aktivieren.

Nach Wörtern suchen, ersetzen und dergleichen ist so wie bei WordStar natürlich ebenfalls möglich.

Eine nette Sache noch - man kann das Fenster splitten und mit einer zweiten Datei bzw. Text arbeiten. Auch vergleichen ist möglich, wenn man kleine Unterschiede in fast identen Texten finden möchte.

Ich mag den Editor wirklich sehr und freue mich seitdem in jeder Minute darüber, dass ich nach Wordstar, Wordperfect, TSE, MS DOS Word und anderen, kleinen Schreibprogrammen nun bei dem gelandet bin. Auch im Jahr 2018 zeigt sich, dass man damals mit den limitierten Möglichkeiten das Beste rausgeholt hatte und zwar so sehr, dass sie auch heutige Programme - meiner Meinung nach - deutlich schlagen. Wenn uns Computer mal das Leben im kleinen Home~Office-Alltag erleichtert haben, dann in dieser Zeit. Danach hat man sich nur wieder in der komplexen Technik verloren und wurde zu verspielt und musste alles überoptmieren und überfeaturen. Wer aber einfach nur Schreiben will, der wird mit so einem Teil deutlich glücklicher!

Zwar schwören bis heute Einige noch immer auf Wordstar und nutzen die DOS-Tools sogar beruflich weiterhin, so wie US-Schreiberlinge alias George R. R. Martin (Youtube-Bericht), Robert J. Sawyer (Webseite), ehemalig William F. Buckley Junior und Andere, aber ich fühle mich da dem Video Display Editor irgendwie näher. \o/