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Trackball - ein Versuch

März 2019

Entdeckungsreise

Ich kann nicht genau sagen, warum eigentlich, aber ich habe schon seit Monaten und eigentlich noch viel länger mit einem Trackball geliebäugelt. Irgendwie bin ich durch eine ältere Doku über Kraftwerke und dann weiterführend Fotos alter Anlagen auf alternative Steuerungstools gestoßen und die Erinnerung und der Wunsch nach einer anderen Handhabung im grauen Alltag wurde nach Jahren der Vergessenheit (mal wieder) erneut erweckt. (Oberes Bild: Energy.pov - Public domain)

Der finale Grund war dann ein Gespräch am Arbeitsplatz, wo eine Maus mit kleinem Trackball im Eck lag und alle sehr verächtlich zu ihr blickten. Einschließlich mir. Und ärgerte mich aber danach ein wenig, weil man schnell dabei ist, Urteile einfach zu fällen - ohne Eigenerfahrung (zumindest in jüngster Zeit, sprich in den letzten zehn Jahren) und dabei wollte ich ja die ganze Zeit auch eine, war mir aber irgendwie doch recht unsicher. Also tun wir was dagegen...!

Alte Schule

Trackballs als solches sind eigentlich schon quasi steinalt und bereits seit den 50ern bei Radaranlagen (Beispiel Datar System) in verschiedenen Weisen an das Tageslicht getreten und haben später dann in den klassischen Computer-Alltag Einzug gehalten. In der Anfangszeit waren Trackballs generell häufiger anzutreffen, was wohl auch dem Fakt geschuldet war, dass die damaligen Computer-Kisten, Monitore, Tastaturen und dergleichen noch viel Platz benötigten und ein "Rollball" fixiert auf einer relativ kleinen Fläche bleiben kann. Auch so manche Laptops hatten diese Lösung anfänglich, bevor die Mini-Joysticks und Touchmousepads hier in der moderneren Form überholten.

Die Steuerung

Eine große Frage stellt sich aber grundsätzlich und gleich am Anfang: Daumen oder Fingersteuerung? Die Frage der Fragen.

Hier gehen die Philosophien recht weit auseinander, aber schlussendlich wollte ich mehr Freiheiten bei der Bewegung haben, denn nur mit dem Daumen steuern zu können, finde ich zu einschränkend, vor allem auch, weil die Belastung dann sehr einseitig ist. Ein anderer Grund ist, dass man sich in diesem Fall von Anfang an auch für eine rechts- oder linksseitige Maus entscheiden muss und dann an diese Lösung gebunden ist... und ich möchte mal versuchsweise beide Optionen haben, also einmal mit der Hand oder auch mit der anderen Hand im kleinen Alltag die Maus bewegen können.

Mein Test-Kanditat

Ein zentraler, großer Trackball mit vier Tasten rundherum, der je nach Lust und Laune mal mit der einen oder auch anderen Hand genutzt werden kann. Praktisch, falls ich das Teil auch mal im Bett oder am Sofa nutzen möchte und es auch dabei bequem haben will. \o/

Hier sieht man die "gewaltige" Größe. Amüsant ist, dass das Teil dadurch ein wenig retro wirkt und wer mich kennt, weiß: ich mag das. Auch wenn es mir in weiß-grau fast noch besser gefallen würde.

Hier noch ein Größenvergleich mit einer klassischen Standard-Tastatur.

Der Ring rund um den Trackball ist drehbar - damit lassen sich Webseiten oder Dokumente rauf- und runter scrollen, aber ebenso auch Regler und Zoom-Einstellungen je nach Programm ansteuern. Praktisch, wenn man beispielsweise ein Foto bearbeitet und mal eben ein wenig näher zoomen möchte - das gelingt problemlos mit dem Daumen oder den anderen Fingern.

Das Innenleben ist genauso unspektakulär wie bei einer normalen Maus. Nur das hier der Sensor statt einer Tischplatte eben die Kugel abtastet - aber das grundlegende Prinzip ist das Selbe.

Aufgrund der Größe ist auch der Höhenunterschied zu einer normalen Maus recht deutlich und groß. Allerdings ist dazu die optionale Auflage recht nützlich und kompensiert diesen Unterschied. Dadurch kann man das Handgelenk recht bequem auflegen und entspannen.

Auch wenn man zugeben muss, dass es ohne der Auflage ästhetisch besser wirkt. Und etwas eleganter ~ moderner.

Dennoch ist der Trackball in so einem Fall durchaus leicht zu bedienen, vor allem, wenn man nur mal so nebenbei oder beim Rumgehen immer wieder mal Etwas kurz nachschaut und keine Feinarbeit benötigt.

Erster Eindruck

Es ist eine Umgewöhnung. Viele schwören seit Anbeginn ihrer Computer-Laufbahn auf Trackballs und können es sich gar nicht anders vorstellen, andere Anwender hingegen verteufeln sie als unnutzbar und hinderlich. So wie ich eigentlich auch, denn ich mochte sie ja eigentlich nie und genauso wenig die Eingabe mit einem Stift im Alltag. Aber ich möchte immer offen bleiben für neue (alte) Zugänge und auch Ansichten und Meinungen revidieren können und dann auch gerne dazu stehen.

Ich taste mich jetzt mal nach sehr vielen Jahren Abstinenz erst wieder langsam an die ungewohnten Bewegungen heran und bin naturgemäß noch recht langsam. Die Funktionsweise ist zwar die Selbe wie bei einer Maus, die Handhabung hingegen völlig anders und das merkt man im Alltag. Einerseits wird es lebendiger und direkter dadurch, zugleich aber macht sich Zittern oder eine Unsicherheit beim Scrollen oder auch Klicken dann visuell viel schneller bemerkbar, als bei einer statischen Maus, die einfach am Tisch liegt bzw. ruht.

Auch das Ansteuern von einem Zielpunkt am Desktop bzw. in einem Programm kann herausfordernd sein, wenn man wenig Übung hat und man verliert auch anfänglich noch leicht das gesetzte Ziel wieder, weil man die Finger nochmals bewegt. Zugleich macht jede Minute mehr aber auch deutlich, dass hier noch mehr Potenzial schlummert - und das treibt an.

Na mal abwarten...

Auch macht es Freude, den Computer sozusagen neu zu entdecken und meine Hand ruht, von der Schulter aus gesehen, etwas mehr und ist entspannter. Denn durch den Trackball bewegen ich meinen Arm nicht mehr, kann ihn also einfach auf der Tischplatte "ablegen" und der Rest passiert mit der Hand - das entlastet zwar die Hand selber nicht, aber immerhin meine Haltung und die Bewegung bzw. auch Ausrichtung meines Oberkörpers, die durch linke Hand auf der Tastatur und rechte Hand etwas erweitert auf der Maus nie gleichmäßig ist.

Nach ~20 Jahren an der Kiste heißt es etwas vorsorgen, auch wenn ich - glücklicherweise - bis heute von Rücken-, Nacken-, Bein- und Armschmerzen verschont bin, da ich einer von denen bin, die ständig im Minutentakt unruhig sind und immer wieder mal aufstehen, sich umsetzen und dergleichen. Auch hatte ich noch keinen Mausarm oder Sehnenscheidenentzündung im Alltag, wie Kollegen und ehemalige Freunde von mir. Und das Alles, obwohl meine Zeit am Gerät doch recht hoch ist in Summe und das Ganze auch noch teilweise 7 Tage die Woche.

Aber: schauen wir mal, ob der Trackball hier ebenso unauffällig wirkt, meinen Körper womöglich gar unerwartet irgendwie entlastet... oder gar belastet und mir die Hand oder Finger abfallen. Man muss nämlich auch erst lernen, das Ding entspannt zu nutzen und einfach in seine Abläufe einfließen zu lassen.

Ich werde den Trackball jetzt mal konsequent einsetzen und bei nächster Gelegenheit hier meine Erfahrungen ergänzen...


Tag 1

Mittlerweile und nach vielleicht 4~5 Stunden komme ich bereits recht gut mit der Steuerung zurecht, man gewöhnt sich doch daran, beziehungsweise vergisst man nach einiger Zeit auch darüber nachzudenken. Womit ich jedoch noch kämpfe, ist beispielsweise das genaue Markieren eines Textes - hier verliere ich immer wieder den Fokus und tue mir etwas schwer. Das Scrollen mit dem Rad hingegen ist bereits verinnerlicht und wird bereits automatisch von Daumen und Ringfinger ausgeführt. An die Tasten muss ich mich noch anfreunden, zu oft drücke ich leicht daneben oder zu zaghaft bzw. fummel beim Ring rum... wir werden sehen, wie es weitergeht, es fühlt sich noch immer gut an!


Tag 2

Es wird. Es sind wohl weitere 5~6 Stunden insgesamt vergangen. Mittlerweile hat sich mein Gehirn bereits umgewöhnt und ich denke gar nicht mehr darüber nach, dass ich statt mit einer klassischen Maus nun mit einem Trackball arbeite. Ich habe den Fokus darauf verloren und der Griff zum Trackball ist somit bereits intus und natürlich.

Noch tue ich mir jedoch mit Feinheiten - wie einzelne Wörter oder Buchstaben markieren und dabei zusätzlich auch noch eine Taste drücken - etwas schwer, weil ich den Cursor dabei (noch) zu viel bewege. Hier gilt es noch Fingerspitzenfertigkeit zu entwickeln, aber bei der Geschwindigkeit - und das nach einem Jahrzehnt an Schubsmaus - hege ich Hoffnungen, dass hier eine Entwicklung möglich ist. Das Prinzip gefällt mir immer mehr.

Zudem habe ich eine halbe Stunde lang mal versucht, mit der linken, statt der rechten, Hand zu steuern, was mit einer gewöhnlichen Maus ganz schön schwierig ist und sich fremd anfühlt... zumindest in meinem Kopf. Mit dem Trackball hingegen klappt das sogar auf Anhieb relativ gut, wenn natürlich etwas unrund, aber deutlich intuitiver und einfacher. Subjektiv gesehen.

Nach anfänglicher Unsicherheit festigt sich das Ganze langsam. Also mal weiter testen...


Tag 12

Er ist bereits Gewohnheit geworden und wird gar nicht mehr wahrgenommen. Einzig und alleine bei Detail-Arbeiten gibt es noch eine Ungenauigkeit bzw. bin ich mit meinen Fingern zu unruhig~zittrig, aber auch das schwindet. Mittlerweile erscheint mir der Trackball genauso selbstverständlich, wie eine normale Maus. Zumindest im normalen Computer-Alltag mit Surfen, Lesen und Schreiben.

Auch in der Arbeit nutze ich nun einen Trackball, allerdings eine kleine Variante und mit Daumen, genauer gesagt eine eine klassische Logitech M570 (Foto). Auch hier bewährt sich das Trackball-Konzept, auch wenn ich hier ebenso einfach - noch - zu "nervös" mit dem Daumen bin. Aber es macht Spass und fühlt sich gut an.

Das Beste an dem großen Trackball ist nicht nur die Fingersteuerung, sondern auch das Drehrad zum Scrollen. Hat man sich einmal daran gewöhnt, kommt einem jedes Mausrad wie eine vorsintflutliche Entwicklung und mühsam vor.


Fortsetzung: Trackball2