Startseite
Updates · Suchen

Schwierig.

2015-02-08

Ich gebe zu, dass ich momentan ein wenig ratlos bin. Also so generell im Leben und bei all diesen Dingen, die da irgendwie dazu gehören. Natürlich – das ist Standard und geht wohl jedem so, der sich in diesem Universum dem Alltag widmet. Kein Grund zu zögern, kein Grund langsam zu agieren und kein Grund auf was auch immer zu warten. Vor allem, wenn vor dem Fenster langsam der Schnee in seine Formen fällt.

Gestern Abend habe ich per Zufall ein altes Backup von Fotos und Filmen entdeckt. Du meine Güte, die kleinen, digitalen Filmchen in der niedrigen Auflösung erinnern an 8mm Schmalspurfilm-Erinnerungen der 70er. Ich war ein wenig überrascht, wie groß doch der Kontrast zu heute geworden ist. Zeit vergeht tatsächlich schnell und auch unnachgiebig. Das Lebensgefühl war schon deutlich anders, nicht unbedingt besser, denn Schwierigkeiten waren nicht fremd und ebenso allgegenwärtig wie bei jedem von uns in seiner Jugend im Regelfall – aber dennoch war die damalige Summierung der Einzelteile durchwegs positiver… oder sagen wir vielleicht „nutzbarer“.

Es ist seltsam, sich selber zu sehen. Ebenso entdeckte ich alte, dutzende und mehr Zeichnungen von mir – wenn ich nicht wüsste, dass das meine Daten sind, dann würde ich sogar sagen, dass sie nicht von mir sind, denn ich kann mich teilweise nicht mal mehr an sie auch nur Ansatzweise erinnern. Oder wann und unter welchen Umständen sie entstanden sind. Auch Webseiten. Dass ich immer da und dort rumgebastelt habe, ist mir natürlich bewusst – das kleine Zusatz-Alltagsbrot einer vergangenen Zeit – aber da tauchen Entwürfe und fertige Layouts auf, an denen ich anscheinend lange und ausgiebig gesessen bin. Manche sogar so, dass ich mir heute denke „Sieh mal an, warum habe ich das anscheinend nie verwendet? So etwas suche ich schon lange…?!“.

Komisch, wie sehr sich die Zeit im Kopf festsetzt und zugleich verschwommen wird. Irgendwann habe ich mal gehört, dass im Alter die Erinnerungen an Details wieder besser werden – ein Mitgrund, warum ältere Menschen oft so ausgiebig über ihre Kindheit und Kleinigkeiten mit Uhrzeiten, dem Tag und umliegende Ereignisse plaudern können… was einem jetzt mit 34 irgendwie gerade nicht ganz so leicht fällt. Schwammig, etwas nebulös und man ist sich nicht ganz sicher, wie sehr die Erinnerung an früher durch Fotos, Erzählungen und selber zusammengefügten Bruchstücken verfälscht und verformt wurde.

Aber eines ist deutlich und klar gespeichert. Es gab damals ein Ziel, eine Vision. Ein Steuern. Das fehlt mir gerade, nicht prinzipiell, denn eigentlich weiß ich, was ich will und eigentlich kann ich das auch recht gut definieren. Aber das wie, das wann und die Hoffnung darauf – die stellen sich als sehr schwierige Gesprächspartner dar. Eine durchaus sehr schwierige Suche nach einer neuen Herausforderung zur Zeit, der naturgemäß zahlreichen Hürden im Weg stehen, eine schwierige Aufrechterhaltung des Alltags in all seinen schlürfenden Zehrformen mit Miete und dergleichen und ebenso die „liebe Zeit“, die weniger geworden ist und schneller vergeht. Alleine die letzten Tage sind verflogen, das erste Monat des Jahres ist auch schon wieder vorbei und man hat das Gefühl, dass man von sich selber überholt wurde, verwundert und etwas verwirrt um sich blickt, was denn los ist, und wo sind denn alle – ah, da vorne schon, ja Moment, ich komme ja schon, aber sollte man doch nicht und müsste man nicht und warum ist das schon wieder vorbei, ich habe ja doch noch gar nicht und…

So halt. Momentan bin ich ruhig und konzentriert, weiß, wo meine Stärken, meine Fähigkeiten und mein Wille ist. Und zugleich stapft man da einen Berg hinauf, über rollenden Kies, brüchige Felsblöcke und lockeren Wurzeln der Latschen, an denen man sich festhält… und merkt mit jedem Schritt, dass es weiter geht – aber man zugleich die Wegzeit wieder erneut revidieren muss. Und man sich langsam fragt, wohin man eigentlich wollte, zwar ist man jetzt schon da und wird nicht mehr umkehren, aber ob dieser Weg an sich der Richtige ist, da steigt in letzter Zeit immer öfter Selbstzweifel auf, ohne an der inneren Stabilität aber zu nagen. Paradox, ich weiß.

Vielleicht gibt es einen banaleren Retro-Vergleich. Eine Schularbeit. Man weiß, man hat gelernt, man kann es. Man will es auch hinter sich bringen, es wurde viel Zeit vorab investiert. Der Start. Und man schaut sich alles ein wenig an und entscheidet sich dann für eine der schwierigeren Aufgaben. Und legt los, man werkt rum, löst Gleichungen und analysiert die Vorgaben. Und je mehr die Zeit dabei verstreicht, stellt man sich grübelnd die Frage, ob man vielleicht nicht doch bei einer anderen Frage beginnen hätte sollen, doch anderer Prioritäten hätte wählen müssen… aber nun ist man schon so weit, dass sich eine Rückkehr zum Start nicht mehr lohnt. Auch nicht ausgeht. Also macht man weiter. Aber es ist „knifflig“ und da und dort hat sich ein Fehler eingeschlichen, man hat sich ein wenig verloren, doch schwieriger als gedacht, die Fehler müssen korrigiert werden, auch das kostet Zeit und der Blick auf die Uhr zeigt… langsam geht es um alles oder nichts. Denn eine Wiederholung gibt es in dieser Schulstufe des Lebens nicht mehr so leicht.

PS: Und so wie immer in dieser Phase, bin ich auch mit dem Blog hier unzufrieden, bastel wieder herum und werde es später erneut ändern. Ein ewiger Anpassungsprozess der eigenen Ausdrucksform, die aber das Gefühl hat, dass sie kein Ziel erreicht. Dabei ist der Weg das Ziel. Nur ist der Weg wiederum richtig? Ich weiß es momentan wirklich nicht. Es ist schwierig.