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Modularer Synthesizer I

September 2018

Es ist soweit, also eigentlich schon seit einigen Wochen, denn ich habe endlich den Schritt zu einem modularen Synthesizer gewagt. Schon seit Ewigkeiten wollte ich in diese Richtung und habe schon seit vielen Jahren immer wieder mal damit geliebäugelt, aber mich selber irgendwie einfach nicht für reif, interessiert und in mir ruhig genug empfunden, als dass ich so ein Abenteuer einfach so mal starte.

Was ist denn das überhaupt?

Vielleicht für den einen oder anderen Leser(in) eine kurze Erklärung in einfachen Worten: Ein modularer Synthesizer ist ein elektronisches Musikinstrument, dessen Anfänge bereits in den 1960ern unter anderem durch Robert Moog (siehe Foto @ Wikipedia) gelegt wurde. Damals noch mit einem Schrankgroßen Gerät, das aus Oszillatoren, Transistoren, Filtern und Verstärkern bestand und irgendwelche komischen und verzerrten Töne von sich gab. So wie die alten Computer damals eben ein gewichtiges Machwerk, dessen Grundstein so wie üblich anfänglich einer Skepsis unterlag, schlussendlich aber dann zur modernen Musik-Generation unserer Jahrgänge beigetragen hat. Hier gibt es übrigens ein gutes Youtube-Video von 1983 dazu.

Technisch betrachtet besteht so ein modularer Synth aus Dingen wie einem VCO (Oszillator), der durch Spannungsänderung unterschiedliche Frequenz (Töne) von sich gibt, dann einem VCF, mit dem man den Klang verändern kann und zum Beispiel einem ADSR, mit dem man die Hüllkurve - in diesem Fall zum Beispiel Lautstärke und Klangfarbe - mit verändert. Noch einfacher gesagt: man hat einen Kasten mit einem Modul, das einen faden, elektrischen Brummton (so wie bei einem Trafokasten) von sich gibt. Durch weitere Module, die man mit Kabeln verbindet und den Ton (also den Strom) dadurch in und durch sie schickt, ändert man die Höhe des Tones, auch die Frequenz bzw. die Schwingungen, den Takt, komprimiert ihn oder verlängert ihn, verzögert, lässt ihn pulsieren oder vermischt ihn auch mit anderen Quellen. Und wenn man geschickt und kreativ ist, ensteht daraus Musik. Man kann aber nicht nur den Eigenton abändern, sondern auch externe Musik damit verfremden und erweitern.

Kennt man das? Ganz sicher sogar... wer beispielsweise jemals ältere Science-Fiction-Filme gesehen hat, kennt diese seltsamen, elektronischen, fiependen und hallenden Geräusche, aber auch wer die Musik der 80er und mehr gehört hat, kennt die klassischen Synthesizer-Keyboard-Sounds und Beats der damaligen Disco-Welt, die sich dann später in Pop und Techno und Co. vervielfältigt hat. Denn das Ganze ist natürlich ausgeufert und irgendwann war es soweit, dass man vom Schlagzeug über Gitarre, bis hin zum Klavier alles irgendwie elektronisch erzeugen und damit auch manipulieren konnte.

Modulare Synths neu aufgegossen

Sie sind immer noch Alltagsbegeiter in der heutigen Musik-Branche, auch wenn heutzutage mehr und mehr gleich direkt am Computer digital entsteht. Noch aber schwebt zumindest ein gewisser Hauch an Nostalgie über den Modularen, die sie zugleich aber auch künstlich teuer werden lässt, da der Kommerz hier natürlich nur allzu gerne mit dem Retro-Trend spielt und sie verändern sich zudem insofern, als das auch die analogen, gelöteten Module vermehrt mit digitalen Prozessoren, Systemen, Monitoren und Anbindungen als Feature versetzt werden. Vielleicht kann man sie als Verwandte der verlorenen Analog-Fotografie sehen, wo man alte Spiegelreflex-Kameras mit digitalen Rückteilen oder Blitzsystemen koppelte. Aber so wie die alte, klassische Technik, die Selbstständigkeit verlangte, muss man auch bei diesen Synthesizern noch immer selber die Hand anlegen - und die Kabelverbindungen per Hand setzen. Und genau das macht den Reiz aus. Jede manuelle Aktion hat eine spürbare, hörbare und erlebbare Reaktion. Man kann natürlich beispielsweise am Computer digital ein Flugzeug steuern oder eben ein echtes, analoges Flugzeug in der freien Wildnis. Da gibt es einen enormen Unterschied: die greifbare Haptik.


Mein Einstieg: Doepfner A-100 (Eurorack)

Ein klassischer Doepfner-Holzkasten mit Stromversorgung und zwei geschenkten Modulen, den anfänglichen Rest habe ich mit etwas Magenschmerzen selber finanziert. Wer raucht, trinkt und am Samstag Abend um die Häuser zieht und Geld für diesen Idiotismus ausgibt, ist hier ungefähr am selben Level. Man muss sich nur für eine der beiden Varianten im Leben entscheiden. Es gibt beispielsweise Module am Markt, die kosten 30 Euro, aber genauso gibt es welche um 150, 500, 800 oder auch um die 1000 Euro und noch mehr. Dazu kommt, dass viele Module selber gar keinen Ton erzeugen, sondern ein eingehendes Signal nur verändern und dann wieder weitergeben... es ist also immer eine Kombination notwendig, um etwas Hörbares, das man auch ertragen kann, zu erzeugen. Und das gilt es zu erlernen und zu verstehen.

Im Gehäuse befinden sich zwei Reihen an Steckbrücken, verschraubt in das Holz, inklusive Trafo und einem Stromkabel-Anschluss auf der Rückseite des Gehäuses, der zusätzlich einen Ein/Aus-Schalter besitzt.

Die Handhabung der Module ist leicht - sie werden mit den Steckern einfach angesteckt und oben mit 2~4 Schrauben in einer Standard-Lochung fixiert. So kann man sie schnell austauschen, umstellen, verändern oder auch wieder ausbauen, um Platz für Andere zu machen. Eben ein "modulares System", das sehr einfach und auch langlebig gestaltet ist.

Ansonsten gibt es eigentlich bei so einem Synthesizer nicht viel zu sehen, außer den Modulen - also angeschraubte Metallplatten (mit jeweils diversen elektronischen Bauteilen dahinter) mit viele Klinkenanschlüsse und Drehregler darauf, mit denen man eben den Ton, Signal, Frequenz und whatever steuert, sobald man sie wild miteinander mittels Kabel verbindet.

Erst durch die Kabelverbindungen, dem sogenannten "Patchen", erzeugt man ein lebendiges, hörbares System. Hier ist, mit ein paar Grundregeln, viel Versuch und Irrtum angesagt und vor allem... Experimentieren.

Neben den analogen Klassiker-Modulen, die quasi der Old-School-Schule entsprechen, gibt es auch modernere Varianten, die die Soundvielfalt komprimiert mittels einem Modul erhöhen und beispielsweise auch sphärische Töne, Beats oder andere Geräusche mehr oder weniger aus dem Stehgreif ermöglichen. Übrigens sind etliche technische Aufbauten einiger Module und deren "Klang" aus physikalischen Gründen bis heute auch nicht oder nur schwer digital zu kopieren oder nachzumachen.

Es gibt aber auch exotische Module, die andere Ton-Quellen nutzen können... so wie Dieses hier, das ein eingebettetes Mikrofon in sich trägt und zugleich mit Fingern oder anderen, harten Dingen berührt bzw. "gestrichen" werden kann. Oder welche mit echten Metall-Federn zur Veränderung des Tones oder sogar ein Theremin-Modul. Hier obliegt es der eigenen Kreativität und Geschmack, was man mit solchen Möglichkeiten anstellt. Wer löten kann und Kenntnisse mit Elektronik mitbringt, kann sich auch seine eigenen Module gestalten und zusammenbauen.

Ich freue mich sehr darüber und in Verbindung mit dem Drumcomputer hebt es die Vielfalt, lädt zum Experimentieren und Entdecken ein... im Laufe der Zeit werde ich das noch größtenteils leere Gehäuse weiter befüllen und irgendwann hier auch Beispiel-Klänge einstellen. Denn das ist das Spannende an modularen Synthesizern, je nach Komplexität und Ablauf patcht man Kombinationen, die relativ unikat bleiben und sich oft nur schwer ein zweites Mal exakt wiederholen lassen. Modulare Synthesizer sind quasi wie lebendige Systeme, die immer ein wenig ein Eigenleben durch das eigene Tun führen, auch wenn sie einer festen, pyhsikalischen Logik folgen. :)

Jetzt aber langsam rantasten an die Urform der elektronischen Musik und demnächst hier dann mal wieder berichten. \o/

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