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Mein Auto

August 2018

Seit einigen Jahren fahre ich jetzt einen klassischen, kleinen, südkoreanischen Kombi mit 10 Jahren+, der schon viel erlebt und viel von der Welt gesehen hat, da er ganz Europa in Langstreckenweise bereist hatte, bevor er familiär in meine Hände gelangte. Ein paar tausend Kilometer noch und wir sind bei der 200.000er-Grenze. Allerdings nutze ich ihn maximal für längere Strecken am Wochenende, im Job-Alltag wäre ich mein eigenes Stauhindernis und würde mich selber vom Vorankommen abhalten. Und ein klassisches Stadtauto ist die Schachtel definitiv nicht und das merkt man auch. Manchmal quietscht es da und dort und je nach Kurvenradius, manchmal rattert das halbe Fahrwerk und manchmal summt der Motor und die Lichtmaschine in Tönen, die einem etwas nervös machen können (vor allem seitdem ich weiß, dass das Lager der Lichtmaschine schon ein bisschen mau ist und wohl eines Tages versagen wird oder könnte) und dann wiederum geht es an die 100 Kilometer mal eben ohne irgendeinem Anzeichen von Alter und Schwächen.

(Das ist nicht mein Auto, es war nur ein netter Sonnenaufgang beim Warten)

Und so wie jedes Jahr ist die kleine Schachtel nicht beim ersten Mal durch die morgendliche, sonnige Pickerlprüfung gekommen und jedes Mal sind es normalerweise die klassischen Verschleißteile wie Bremsen und Co. in verschiedenen Variationen. Die Handbremse hat beispielsweise schon drei Reparaturansätze hinter sich, da der Unterboden früher viel Wiesenfeuchtigkeit gesammelt hatte und dadurch mitsamt der Technik etwas marode ist, und blieb und bleibt immer ein wenig unrund und lässt einem die Stirn manchmal runzeln, aber das sind eigentlich nur Kleinigkeiten.

Dieses Mal war es zur Abwechslung und etwas überraschend das Flexrohr, also das Drahtgeflecht-Verbindungsstück zwischen Motor und dem Auspuff - undicht. Die Aufgabe vom Drahtgeflecht ist das Abfangen der Schwingungen vom Motor auf den Auspuff, aber dadurch ist das Teil ein klassisches Verschleißteil und löst sich irgendwann einfach auf. So wie üblich, kostet so ein Teil im Handel auch nur 20~30 Euro, aber man zahlt ja blöderweise die Arbeit des Zuschneidens und Befestigens... den teureren Spaß eben. Das war aber schnell innerhalb eines Vormittags in einer düsteren Seitengassen-Werkstätte in der Großstadt erledigt. Und ja, eigentlich hätte auch die Bremsflüssigkeit komplett getauscht werden sollen, denn die war einfach am Ende mittlerweile. So die Theorie.

Bei der Prüfung dann hat sich gezeigt, dass natürlich nur der obere Satz im Behälter im Motorraum "neu befüllt" wurde, aber nicht ein tatsächlicher Tausch stattgefunden hat. Klassiker-Schmäh, der wohl tagtäglich passiert und auch nur genaueren Prüfern auffällt und zur kleinen Abzocke gehört. Aber wer prüft schon selber die Werte mit der Pipette aus dem Inneresten mal eben?

Immerhin einen sehr motivierten, jüngeren und freundlichen Prüfer beim unabhängigen Automobil-Club am Lande vor mir gehabt, der dann kurzfristig, ungeplant und mal eben aus morgendlicher Laune heraus den Tausch im Kollektiv mit mir gleich vor Ort in der Prüfstation vorgenommen hat. Wieder etwas dabei gelernt, denn zugegebenermaßen hatte ich mich damit auch noch nie beschäftigt. Zumindest bei so einem älteren Modell wie meinem ist das tatsächlich eine recht harmlose und mal eben Sache, sofern man maschinelle Unterstützung mittels eines Entlüfters hat. Dreckig wird man trotzdem. Die Reifen werden abgenommen und ein kleiner Verschluss bei der Bremsschlauchzuleitung neben dem Bremssattel geöffnet, die sich überraschenderweise... Entlüftungsventile nennen, während der maschinelle Entlüfter mit Abdichtung oben in den Füllbehälter mittels Überdruck Nachschub presst und die alte Flüssigkeit in einem Becher gesammelt wird. Würde aber auch manuell gehen, nur muss man dann halt recht viel Pedal treten und eben mehrfach, das wollten wir uns dann doch nicht antun. -

20 Minuten später gab es dann das Pickerl, da sonst alles, bis auf etwas Rost am Fahrwerk und Federung (der Rost bei bzw. auf den Scheiben kommt von der langen Standzeit dazwischen), in Ordnung ist und ein weiteres automotives Lebensjahr rollt heran und ich werde weiterhin alles daran setzen, dem Auto ein genügsames, recht ruhsames WE-Langstrecken-Leben zu ermöglichen und es von der Stadt fern zu halten, so gut wie es geht. Denn das ist auch die technische Überlebensversicherung für die Rostlaube. Miniaturparkschäden sammelt es sowieso im Monatsrythmus in dieser Gegend unabhängig von mir an an, aber das gehört fast schon zum Lebensmotto hier. -

Aber ein anderes oder neues Auto würde oder werde ich mir nicht mehr anschaffen, zumindest solange mein Lebensmittelpunkt in der Großstadt liegt... in der Stadt selber ist ein Auto wirklich sinnlos, sofern man nicht eine Großfamilie mit Kindergarten und Schule und Co. hat. Die Kosten für Parkpickerl, jährliche Prüfung, irgendwelche Services, Reifenwechsel, Flüssigkeiten inklusive Treibstoff, Versicherung und Co. plus der doch vorhandenen Unfallgefahr im Alltag, die dann viel Geld und Investition vernichtet (mit Glück nur das), steht nicht in Relation zur dicht durchsetzten Stadt mit Öffis und Erreichbarkeit von Einkaufsmöglichkeiten gleich ums Eck und einer Jahreskarte mit den Kosten von ~1 Euro pro Tag.

Nachtrag: Im Umkreis darf jemand gerade ebenso zum Beispiel an ihrem Audi die undichte Wasserpumpe tauschen... 900 Euronen, weil Vertragswerkstatt. In einer freien Werkstatt wird man wohl um die 400 Euro zahlen, aber auch das sind viele Scheine, die da über den Tisch wandern. Da bin ich über meine Rostlaube fast froh, weil da lohnt sich selber machen oder auch mal ein Nicht-Original-Ersatzteil durchaus aus wirtschaftlicher Sicht bei den meisten Dingen, wie mir Jahr für Jahr von allen Seiten ständig erklärt wird und ich auch mehr und mehr dazu lerne. Sogar von den unabhängigen Prüfern.

Generell machen Vertragswerkstätten auch nur das Notwendigste und das zum "exklusiven" Preis - weil das Konzept vom Grundprinzip her nur auf die durchschnittliche Nutzungsdauer des Fahrzeuges (also paar Jahre) und einem Folgekauf eines Nachfolgers ausgelegt ist. Der Kunde soll Kunde bleiben und zwar immer wieder - da passt ein zu solides, lang laufendes Auto nicht in das wirtschaftliche Konzept.


Aktueller Zustand

Hier noch ein paar Fotos für die persönliche Dokumentierung des aktuellen Zustandes...

Hier beim letzten Foto sieht man übrigens das neue Flexrohr, dass die Verbindung zwischen Motor und Auspuff schafft und die Vibrationen abfängt. Noch glänzt es... :)=)


Emanuel Sprosec. Erstellt am 2018-08-26 · # · Wien, Österreich · emanuel//at//mulischaf.com · Datenschutz