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Luftige Stolpersteine

2015-05-04

Nachdem sich gerade mein Email-Programm verabschiedet hat und natürlich gleich drei lange Mails damit verloren sind – wie könnte es auch anders sein – tippe ich halt hier ein paar Zeilen. Denn um ehrlich zu sein, stehe ich etwas an. Lebenstechnisch, blablatechnisch, beruflich, aber genauso mit dem anderen Firlefanz, den man im Alltag so zu bestreiten hat. Jo, eh nichts Neues hier in dieser Blase.

Der Weg geht wohin genau?

Nachdem die erstgenannten Punkte nur ein Aufguss alter Tatsachen sind und außer dem Jammerfaktor eh nicht viel beinhalten, das für mich oder Euch nutzbar sein könnte, belasse ich es auch im Großen und Ganzen dabei. Ein paar Dinge habe ich einfach aufgegeben – sei es aus mangelnder Resonanz – oder auch als nicht durchführbar abgeschlossen, da die Frage nach der Sinnhaftigkeit und das Abwägen dessen zu dem Resultat führt, dass man viel Energie in Dinge investiert, die sich nicht lohnen. Wiedermal.

Da muss man dann halt in die andere Richtung schauen und einen neuen Weg suchen, wie man weiterkommt – wobei dieses Weiterkommen ja auch schon wieder so ein Wort ist, bei dem es sich in mir sträubt, weil es eigentlich nur eine reine Worthülse ist, um ängstlichen Menschen das Gefühl zu geben, dass sie nicht nur sinnlos dahinstolpern und vielleicht in dem Leben doch sogar noch Etwas vollbringen.

Erst unlängst bin ich an einem Plakat vorbeispaziert, auf dem es um Spenden für Menschen in schweren Situationen geht, genauer gesagt, die vor dem Tod stehen. Aber nicht, dass man dabei an das Mitgefühl appelliert oder an eine Menschlichkeit, sondern stattdessen prangen dort die ruchlosen Worte „Ich will, dass mal was Gutes von mir bleibt“. Aja. Eh nett.

Zentraler Lebens-Egoismus zur eigenen Befriedigung. Damit mich ja alle als den edlen Spender in Erinnerung haben… Ist doch ein Blödsinn, wenn wir uns ehrlich sind. Fast alle Stolpersteine in der Menschheit entstehen vor allem dann, wenn einzelne Personen diesen unstillbaren Drang haben, sich auf ewig verwirklich zu wollen. Damit man sich an mich erinnert, damit man weiß, wer ich war, damit man meinen Namen kennt und mich ja nicht vergisst… puh! Weil?

Fällt Euch außer den üblichen Verdächtigen und Deppen wie Stalin, Hitler oder Mussolini jemand ad hoc aus der politischen Geschichte ein? Franz Ferdinand noch, dann vielleicht noch Maria Theresia und solche Prachtlocken, aber ansonsten wird es bei den Meisten im Kopf dann doch recht mau, nicht wahr? Oder? Auf anderer Ebene klingelt vielleicht bei dem einen oder anderen noch ein Einstein, Gebrüder Wright oder eine Marie Curie herum, ein Mozart oder Ghoethe und Grillparzer. Es sind halt dann doch immer die gleichen Schlapfenhelden, die man noch aus der Schulzeit zwangsläufig kennt.

Der Eine oder die Andere können dann noch ein bisschen Inselwissen beisteuern und die Liste erweitern, aber mal anders rum… fällt Euch irgendjemand aus dem Stehgreif ein, der im Jahre 1532 ganz bekannt und groß war und aus Donnersbach stammte? Nein?

Mir auch nicht, vielleicht gab es dort Jemanden, der große Geschichte schrieb, vielleicht aber auch nicht… keinen Plan. Aber ganz sicher gab es auch dort haufenweise Menschen, die an dem Glauben festhielten, dass sie ein wichtiger Teil in der Geschichte sind und man noch lange an sie immer wieder denken wird. Tja, Pustekuchen.

Spenden, um eine egoistische Darstellungsbefriedigung auszuleben. Gut, immerhin spenden solche Menschen was. Bonuspunkt. Ein Kleiner. Ansonsten fragwürdig alles. Und ja, ich bin da zwar selber sicherlich nicht über diesen Stein bisher gekrochen und hab diese Überwindung auch erst vor mir, um den Quatsch endlich hinter mir zu lassen, aber immerhin ist mir jetzt schon bewusst, dass es nur zu Frust führt, an das Große zu denken.

Och. Hat da jemand aufgegeben? Na arm…. *eureGedankenblase*

Nein, nix da. Hat ja nichts damit zu tun, sondern das Ganze ist einfach nur eine sachliche und nüchterne Betrachtung. Diese Sucht nach Ruhm und Anerkennung treibt die Spezies Mensch dauerhaft in den Wahnsinn. Wer unter 40~50 Jahren kann mal aus dem Stehgreif die großen österreichischen TV- und Bühnendarsteller aus der Zeit um 1945 benennen? Wohl kaum jemand, ist ja schon Staub, nicht wahr? Ja, so ist das eben. Aber zugleich munter daran arbeiten, dass man selber der Staub wird. Soso.

Das Ganze ist übrigens für den wohltemperierten Leser vor dem Gerät eine symbolische Umschreibung, wenn man (ich) Menschen im Alltagsleben zuhört, die sich in das Job-Leben werfen und mit Ellbogentaktik zuvor alles um sie vernichten, weil und denn nur so schaffen sie es in die hohen Ränge der Geschichte.

Na, nicht weiter daran denken. Tut der Seele nicht gut, lassen wir das.

Übrigens stehe ich so nebenbei im anderen Leben, also hier in der digitalen Welt, auch vor einem Steinchen, dass mir gar arge Blasen in den kleinen Zeh drückt, denn ich hätte ziemlich gereizte Lust, einen völlig neuen, radikalen Schritt zu gehen – und den Blog und das Forum drüben einzustapfen und stattdessen einen völlig neuen Ansatz zu gehen, der eine evolutionstechnische Weiterführung der bisherigen Linie wäre (ihr wisst schon, vorankommen und sich entwickeln und so)… nämlich endlich alles unter ein Dach zu bringen.

Nur wie bekommt man genervtes Getippsel wie das hier, eine Fotosammlung, ein Wiki zur Wissensergänzung, Eure Kommentare und Trash-Forenbeiträge unter eine Haube?

Da dachte ich mir, ich nehme doch einfach ein „besseres Forum“ und schreibe in einer Kategorie die Blogbeiträge, in einer sammel ich meine Fotos – um nicht den Laptop damit zu verseuchen – und in anderen Kategorien werden Blabla-Dinge eingefüttert, wo man Interessantes, Blödsinn und Ernsthaftes kollektiv verklicken kann. Damit ist das Wiki-Problem gestrichen, die Fotosammlung drüben dümpelt ja ansonsten womöglich weiterhin sinnbefreit und -los recht still und schweigend vor sich hin – so still, dass ich sie selber oft vergesse, also muss sich da was ändern… und an den Blog-Gedanken als solches habe ich das Vertrauen eh schon länger verloren. Schall und Rauch, wenn man sich ehrlich ist. Ausreichend um das Ego und das Portfolio in der egomanischen Welt zu beglücken und das Gefühl zu haben, dass man ernst genommen wird als Netz-Mensch.

Ich sag’s mal ganz ehrlich, wie es hier so ist. Der alte Blog anno dazumal hatte durchaus viele Besucher, weil er halt jahrelang die Suchmaschine mit historischen Einträgen gefüttert hatte… das ist eine reine Zeiterscheinung, für die man einfach ein paar Jahre Ausdauer braucht und die sich bei Geduld und Muse überall leicht wiederholen lässt. Aber ansonsten geht die dünne Pfeil-Grafik der Leserschaft mehr und mehr bergab und täglich schauen da vielleicht 2-3 treue und bekannte Seelen rein, der Rest ist reiner Content-Zufall zwischen 0 und 100 in uniquer Zählweise und Wertmäßig so eine Sache in Form von fragwürdiger Relevanz im Leben. Das Ganze liegt übrigens nicht unbedingt nur an meiner minderen Qualität der selbstverfassten Inhalte, die ich übrigens dennoch öfters höher bewerte, als so manch anderes Bloggeschwurbel, das aus reinem Self-Marketing-SEO-Schmafu besteht, sondern einfach an der Masse an Blogs und Content-Producern da draußen…

Und auch an der neuen Zerissenheit der Plattformen. In meinem Bekanntenkreis, wenn ich das sozial-lockere Umfeld mal so nennen darf, gibt es kaum noch eine Konzentration an einer Stelle. Ein paar Fluffis sind auf Facebook, andere auf Twitter, andere auf Instagram und da und dort gurkt eine verlorene Seele auf XING oder Tumblr rum, vielleicht sogar jemand heimlich auf Youporn oder xHamster, aber im Großen und Ganzen ist diese unikate Schaltzentrale der Vernetzung in den letzten Jahren ziemlich zerbröselt. Whatsapp bliebe da noch, nur Gruppenchats oder der Austausch von digitalen Inhalten über diese Kommunikation gleicht einem emotionalen Beinbruch. Danke nein. Klappt ja auch nicht, wie wir eh im Stillen eh alle wissen.

Was also bleibt? Als „Blogger“ treibe ich recht einsam da im Meer des sozial näheren Umfelds herum und der rege Austausch ist da verloren gegangen. Das war auch schon beim Alten so, wo nur mehr die falschen Leute mitlurkten (lurken = schweigend lesen) und der Rest froh war und ist, sich von der digitalen Wolke fernzuhalten. Ich verstehe es ja sogar selber.

Na wie auch immer, lange Reden haben fast immer einen recht kurzen Sinn… ich suche gerade eine Möglichkeit, einen Weg zu finden, wie ich den verstreuten Bröselhaufen wieder zu einem geschmackvollen Kuchen für meinen eigenen Gaumen formen kann. Ein Konglomerat an täglichen Emotionsausbrüchen und Erlebnissen sowie Abenteuer, gesammelter Trash aus der digitalen Welt, der genauso wichtig wie unnötig ist und nützliche Dinge des Alltags, die man kollektiv gemeinsam lösen kann (aber nicht muss).

Ergo ein erweitertes Forum, dem man nicht ansieht direkt, dass es sich um Eines handelt. Das ist die Idee im Kopf, technisch scheitert sie an der Tatsache, dass ich kaum eine Plattform findet, die all das bietet oder so hingetrimmt werden kann, wie ich es mir optisch und technisch vorstelle… oder alle nicht vorhandenen Vorstellungen von Kosten um Lichtjahre übersteigt.

Deswegen rolle ich mal den Stolperstein vor mir her, damit ich noch ein bisschen nachdenken kann, wie man am besten über ihn stolpert, ohne sich gar zu sehr weh zu tun. Aber so die Richtung würde mir gut gefallen, besser als die eigenen Bloglösung, die nicht die Ursache, sondern nur Symptome bekämpft.

Gut. Das war es mal für heute, denn ich muss los. Zu den anderen Luftköpfen da draußen vor der Türe…! *mal schauen, ob einer von ihnen heute platzt – oder gar ich*. Ich bin gereizt.