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Das schöne Leben I

2015-05-01

Lange hatte es gedauert, aber in den letzten Tagen war es endlich wieder soweit und ein kleiner Lichtblick im trüben Alltagsablauf brachte ein wenig Abenteurertum in’s Leben. Ein Gotchi-Besuch aus dem schöneren Nachbarland hier in Wien. Und Stammleser wissen es jetzt schon und liegen richtig: ja… Natur, Wandern, Hunde und Sonnenschein. Die Essenzen des Leben also.

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Nachdem man nicht immer das private Freundesleben vollständig hier 1:1 öffentlich im Blog ausbreiten muss, belasse ich mal die Bilder etwas impressionistisch und eher angedeutet und springe inhaltlich ein bisschen rum, aber ich denke, das reicht zur Zeit auch mal… zumindest bis ich genauer weiß, wie ich das mit dem Blog weiterhin so machen werde.

Das Rahmenprogramm war natürlich wie üblich recht dicht und von einer Schnelligkeit durchsetzt, die als ungeübter Städter, der ansonsten ja vor sich hin schimmelt, eine ganz schöne Herausforderung darstellt. Schon mal innerhalb von zwei Stunden ca. 10 Touristenshops abgeklappert und alle Postkarten aufgekauft, auf denen ein Riesenrad zu sehen ist? Wohl kaum, ich nämlich auch nicht – vor allem wäre ich nie auf die Idee dazu gekommen. Und zusätzlich in der Zeit auch noch Falafeln sitzend essen, die fast einen halben Meter lang sind, dabei Smalltalk mit einem libanesischen Türken aus Syrien mit indischen Gewürzen führen? Und im Anschluss daran noch um ein Keks-Eis anstellen und es aufessen?

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Zuvor aber auch noch – und ja, noch immer alles in diesen zwei Stunden – fast eineinhalb-Stunden in einer Buchhandlung stehen und warten, bis die Verkäufer der Reihe nach drauf kommen, dass es das gewünschte Buch gibt, auch hier in der Buchhandlung… aber keiner weiß wo? Buchhandlung. Keine Ahnung, wo hier das Buch sein kann. „Um was geht’s? Also ich hab hier kein Buch, wobei es allerdings im System ist… Mmmmhhhhhh…. *schweigen*…. *stille*….. *stille*… Weißt Du, wo das Buch sein könnte…. *schweigen*….. *stille*…. Wie schaut das aus?“ Man kann sich den Blick von Gotchi gut vorstellen – er entsprach einer Mischung von Faszination, Befremdung, Frustration, Müdigkeit, Genervtheit und Kopfschütteln mit Resignation. Buchhandlung. Kein Wunder, dass die Alle aussterben.

Wuffwuff

Nun gut, nachdem die Stadt (endlich) überstanden war (das traditionelle Papaya-Salat-Shrimps-Essen im Bobo-Bezirk lasse ich mal aus, war aber sehr gut), ging es schnurstracks endlich raus ins Grüne, die beiden Fluffi-Hunde auf der Rückbank und ich am Beifahrersitz mit einer Postkarte in der Hand. Ab ging es endlich in den Gotchi-Alltag von Hundebesitzern, die sich vorwiegend dadurch auszeichnen, dass sie sich permanent gegenseitig über den Weg laufen, aber froh sind, wenn sie dem Anderen nicht über den Weg laufen und sich dann erst recht – speziell am Parkplatz – im Weg stehen und dann gegenseitig am Weg nachlaufen, um sich anschließend wieder aus dem Weg zu gehen oder sinnlos am Weg rumstehen und sich damit gegenseitig erneut über den Weg laufen, um sich gescheiterterweise abermals aus dem Weg zu gehen. Das klappt so nicht. Es gibt eindeutig zu viele Menschen.

Dschungel

Echt jetzt. Da fährt man eh schon in das absolute Niemandsland, das durchsetzt ist von Dschungel, Nichts und Insekten und ein paar Trampelpfaden und dann fleuchen und kreuchen dort erst recht wieder Humanoide mit ihren Fluffis in allen Ecken rum. Anstrengend, denn schließlich ist das eigentlich unser Revier. Innerlich stresst auch mich nämlich bei meinen Wanderungen jeder Atemzug auf 12 Kilometer Entfernung von irgendwelchen anderen Menschen. Mit Hunden verstärkt sich das intensiv.

Immerhin standen wir nach wenigen Minuten bevölkertem Niemandsland tatsächlich vor einem See, so wie es Gotchi im Vorfeld versprochen hatte (und ich ja sehr stark bezweifelte)… und das sogar ausnahmsweise mal nicht direkt an einer Lärmschutzwand oder Autobahnabfahrt. Zumindest nicht sichtbar. Und schön ist es dort! Wirklich…! Betreten verboten, Schwimmen verboten, Gehen verboten, Berühren des Wassers verboten und überhaupt alles verboten. Deswegen gingen wir den ausgetretenen Trampelpfad zum Wasser vor und badeten ein wenig. Zumindest am ersten Tag war das noch in Ruhe möglich.

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Beim zweiten Mal hingegen mussten wir völlig unerwartet und schlagartig um das Überleben kämpfen. Denn so wie es in solchen Dschungelseen üblich ist, lauert immer irgendwo eine Gefahr… als wir das nächste Mal vorsichtig den Abhang hinabrutschten, tauchten in der Ferne nämlich plötzlich zwei weiße, verformte Gestalten auf, die langsam auf der Wasseroberfläche treibend in unsere Richtung kamen. Die Anspannung stieg. Die Gefahr eines Angriffes durch die Wesen und die Hunde war präsent, auch Gotchi schaute mit großen Augen auf die drohende Gefahr – wir bewegten uns langsam, schauten und schauten abermals auf die Wasseroberfläche. Sie wollten nicht weichen und die beiden Gestalten hätten uns sogar beinahe eingekesselt. Das Leben kann wirklich kurz sein.

Schwan der Gefahr

Also stieg ich todesmutig weiter abwärts und ging die paar Meter vor zu dem einen gelangweilten Schwan, der etwas Brot wollte und machte einmal „Gggssshhht“ mit einer Armruder-Bewegung – was für ihn wohl eine Freudengeste darstellte. Nachdem Gotchi und ihre Hunde aber nicht zu der jährlich steigenden Statistik an Todesopfer durch Schwäne zugehörig werden wollte, zogen wir panisch langsam ab und stapften stattdessen wieder ein wenig durch das Geäst und das tiefe Meer an Gras.

Von den Ureinwohner übrigens, die wir beim ersten Mal am anderen, fernen Ufer gesehen hatten – starrend, minutenlang, einer davon mit einem Stock in der Hand (vermutlich sowas ein Häuptling) – gab es jedoch keine Spur mehr. Aber zum Glück… denn man weiß ja schließlich nie, was für Riten und Kulte solche Donaudelta-Dschungelschmalfuß-Indianer haben. Schon so mancher Paddler kehrte nie mehr wieder, wie man sich immer wieder erneut in den Radler-Tränken an den Wegesrändern in der Gegend erzählt.

Wald

Immerhin gab es auch einen Abstecher zu den kleinen Nicaragua-Stromschnellen etwas weiter süd-westlich, wo eine kurze Wohlfühl-Rast eingelegt wurde und ein kleiner grüner Ball lustig durch die Gegend hüpfte… verfolgt von zwei halbfröhlichen Fluffis – einer blind und der Andere taub. Solche integrativen Ausflüge sind aber eh ideal für mich, weil da fühle ich mich als Nerd gleich gut aufgehoben… und unsere Begleiterin kümmerte sich zudem auch gut um uns, achtete auch darauf, dass niemand sich verletzt oder gar überanstrengte. Angenehm.

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Aber das war nicht das einzige Highlight: nachdem es ja an dem einen Tag in der Woche stark regnete und die Welt kurz unterging, tourten wir kurz darauf sicherheitshalber und passenderweise zur rettenden Arche Noah. Die letzte Bastion, um sich vor den bösen Schicksalschlägen der heimischen Massenindustrie zurückziehen und sich mit seltenen Pflanzen eindecken zu können! Also genauer gesagt, ist das ein schöner, projektierter Landstrich in Schiltern in Niederösterreich, wo man eine große Auswahl an Pflanzen zur Verfügung hat, die man im Supermarkt oder bei der Gärtnerei ums Eck nicht bekommt – eben mit dem Ziel, alte Sorten nicht zu verlieren.

Seltene Pflanzen

Gotchi wollte da unbedingt hin und nach einer stundenlangen Fahrt über vergessene Straßen kurzen Fahrt stapften wir durch unzählige Regalreihen. Ich sah überall nur Grün und Blätter, während Gotchi hingegen mit Überblick konzentriert, ruhig und bestimmt die einzelnen Sorten abwägte, begutachtete, bewertete, abschmeckte und da und dort einen Topf in eine Schachtel stelle, die sich eingeklemmt unter meinem Arm befand und immer schwerer und schwerer wurde. Zitrone, Melisse, Hanf, Gurken, Kürbis, Basilikum, Pfeffer, Chilli, Apfel und Co. finden sich dort in kleinen Töpfchen in der echten Rohform… also bevor man sie in den bekannten Formaten wie Multivitaminsaft, Pizza, Eis oder Sirup üblicherweise kauft. Spannend. Und alle sind grün und schauen gleich aus. Mh.

Pflanzenkisterl

Ich musste ja übrigens zur Dokumentationszwecken die jeweiligen Infoschilder der Pflanzen abfotografieren und hätte nicht Gotchi schön geduldig und extra langsam für mich mit dem Finger genau auf das Schild gezeigt jeweils, hätte ich wohl statt dem Chilli- das Preiselbeer-Schild dokumentiert. Pffff, schaut wirklich alles gleich aus. Und überall wird gefachsimpelt im Hintergrund… „Jo, des is scho guat, wenns a bissl in da Sun is, gö? Wö de Mariannerl, die hoben des net so gern. Oda woins vielleicht a Zwergmariannerl, des geht a, na des is a sche, wö de Blattln hob so de Herzln und wenn ma des aufkocht, is des scho guat, gö?“

Das schöne Leben

Man muss aber wirklich sagen… nicht nur die Landschaft in dieser Gegend ist schön (nur manchmal ist sie von so Dörfern durchsetzt, wo vermutlich in jedem zweiten Keller Kinder seit Jahrzehnten gefangen gehalten werden und im Schuppen daneben sich jemand gerade depressiv erhängt), sondern auch der Moment dort… es riecht nach „Gartln“, frische Erde, Wasser, Pflanzen, alle sind ruhig und freundlich, unkompliziert und die Anhöhe, auf der sich das Areal befindet, strömt am späten, sonnigen Nachmittag auch ein bisschen Urlaub im südlichen Italien aus. Schon fein dort! Leider waren wir recht spät dran und konnten damit nicht so lange mehr die Atmosphäre genießen, aber das nächste Mal dann vielleicht umso länger…

Fortsetzung folgt…