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Bitterer Schwede

2014-11-18

Da kaut man munter und losgelöst von der hiesigen Welt auf Rosmarin-Chips herum, die in ihrer Verpackung auch nur in einem Land zu kaufen sind, das sonst kaum andere Probleme haben kann bei soviel Wohlfühl-Luxus, und ramme mir aber am Höhepunkt des geschmacklichen Genusses ein dreieckiges Chips-Stück wunderbar tief in den Gaumen. Eh klar und auch ein Klassiker… man muss nicht weiter damit gedanklich hadern.

Schwedenbitter

Das Ganze aber auch noch kombiniert mit einem etwas sauren Orangensaft anschließend und einer kleinen Schwellung an der Wange, ausgelöst durch eine Tischkante und einer Katze, die mir in diesem einen, speziellen Moment zufällig ihr Leben ausschweifend zwischen die Füße warf und mein Gleichgewicht ins Wanken brachte, führte dann doch zu einer gewissen Reizung in der Mundhöhle. Also gut, man muss (seufz) schon wieder etwas tun. Das Leben ist ein Dschungel an Überlebenskämpfen. Mundspülung mit irgendwelchen chemischen Lösungen und dergleichen – Resultat: aua.

Also mal durch den Supermarkt schlendern und sich einfangen lassen von warmen Lichtern, angefressenen Verkäufern und abgegriffenen Packungen.. und dann, ja dann leuchtete mich ganz unabhängig davon eine Flasche „Schwedenbitter“ neben den Vitamintabletten und den Sojakakaos an. Keine Ahnung was das sein soll, also nehmen und kaufen. Oha, teuer. Egal, man hat es ja *beißendeIronie* und man lebt nur einmal.

Dann Zuhause hingestellt, angestarrt, Google angeworfen und die Inhaltsstoffe durchforstet… na sieh mal an! Bittere Kräuter, Alkohol, viel Alkohol, bisschen Wasser und etwas Zuckerkulör zum einfärben. Klingt ja fast harmlos (das sage ich jetzt als Nicht-Trinker von alkoholischem Feuerwasser). Aber es klingt nicht nur fast gesund, sondern es gilt auch als ein klassisches Hausrezept der alten Schule. Und so wie alle magischen Getränke, bei denen irgendein Kraut angeblich eingelegt wurde und viel Alkohol drinnen ist, hilft es gegen alles.

Ob Magenprobleme, Muskelschmerzen, Zahnprobleme oder Kopfschmerzen – das altbewährte Hausmittel, das man sich anhand unzähliger Anleitungen im Netz problemlos und mit Geduld auch selber ansetzen kann – heilt und rettet alles, was irgendwie Körpertechnisch schief läuft – wenn man der alten Großmutter Glauben schenken kann, die in den Foren ganz an vorderster Stelle lange und ausführlich postet. Jaja.

Wie auch immer – da dachte ich mir, gut – nicht nur die Flasche wirkt nett, vielleicht hilft das auch zufällig gegen das Cut im Gaumen… also rein damit. Als Nicht-Alkoholiker, der maximal drei Teelöffel Alkohol pro Jahr in Form von gefüllter Schokolade und zu Silvester mit O-Saft und mit einem verzogenen Gesicht zu sich nimmt, ist so ein kleiner Schluck aus dieser Flasche natürlich eine Explosion an Bewusslosigkeit, Inferno, Husten und der langsame Selbstverbrennungstod im eigenen Angesicht des Badezimmerspiegels. Spannende Sache.

Den Prozess habe ich ein paarmal wiederholt, habe die bitteren Kräuter, genau die BITTEREN Kräuter, in meiner Mundhöhle wirken lassen und man lese und staune nicht unüberraschend: es hat geholfen. Sehr gut sogar. Von der kleinen, gereizten Wunde ist nichts mehr zu spüren und zu merken, die Schwellung von der Kollision detto und auch sonst läuft der Magen etwas runder als sonst eingebildeterweise. Kein Wunder, 40% Alkohol bieten dem Körper nicht viel Spielraum – alles was rumkriecht und fleucht im Körper stirbt augenblicklich ab oder wird schlagartig betäubt. Funktioniert sicherlich äußerlich und innerlich gleich gut. Aber keine Ahnung, was man sonst noch damit machen kann oder eigentlich sollte – weiß da jemand mehr? Außer Manna, Enzianwurzeln, Kampfer, Angelikawurzeln, Theriak, Wermutkraut, Zitwerwurzeln und dergleichen als Inhaltsstoffen gibt es sonst keinerlei Blabla auf der Flasche.

Aber: gutes Zeugs, Brüder und Schwestern! Sollte man in jeder Hausapotheke auf jedem Küchentisch griffbereit stehen haben. Mmmhh!

Nein, das ist keine versteckte Werbung und ich wurde nicht für dieses Product-Placement bezahlt – denn ansonsten sollte man ja glatt wegen Körperverletzung klagen… *schluckhustschluckhust*. Das hier ist ein sinnfreies Alltagsprotokoll aus meinem Fiasko der Existenz Leben.