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An sich glauben…

2015-01-01

Momentan suche ich für das Forum einen alten Text aus einem meiner ganz alten Blogs von anno dazumal. Bis jetzt bin ich noch nicht fündig geworden, zu viele Textdateien haben sich bereits angesammelt und sie sind zu sehr verstreut auf unterschiedlichen Geräten, Festplatten und Co., aber darunter ist mir einer in die Hände gefallen, den ich vor einigen Jahren einmal zeitig in der Früh geschrieben habe und der mich wieder an mich selber erinnert. Nicht nur eben an meine eigenen Worte, sondern auch an das Wichtige im Alltag. Deswegen hier nochmals:

2011-01-30-Kindheit1

  1. Glücklich sein

„Ich habe letztens mit einem Gotchi über das „an sich glauben“ gesprochen. Ich denke, dieser Vorsatz – und der Versuch dessen – gehört zu den schwierigstens Aufgaben als Mensch überhaupt… gedanklich gesehen. Natürlich gibt es viele, die so etwas einfach im Blut haben, manche übertreiben es, andere machen sich mehr vor, als da ist – aber dennoch – der Grundsatz des „an sich glauben“ ist nicht nur wichtig, sondern führt auch zum inneren Glück. In meiner ganz privaten Welt. Und soweit ich das überhaupt so sagen und behaupten darf, denn auch ich selber muss immer wieder damit kämpfen und mir es wieder und wieder selber vorsagen.“

„Sobald man „kreativ“ ist, sobald man ein ausfüllendes Hobby hat, sobald man einer gewissen Getriebenheit folgt, die nicht unbedingt zur reinen Geld-Lukrierung dient – sondern einfach der ganz persönlichen Freude oder eines Traumes für die ferne Zukunft, stellt man sich recht oft, wenn nicht sogar täglich, die Frage „Wozu machen ich das überhaupt? Bringt ja eh nix.“. Fast nie führen solche Träume, Hobbys und die innere Unruhe zum großen Erfolg auf Anhieb. Und fast immer gibt es Momente, an denen man sich nur noch scheitern sieht und die obligatorische, klassische Wand vor der Nase hat, nicht mehr weiter weiß und alles hinschmeißen möchte.

Solche Momente habe ich recht oft, sehr oft, oft täglich – aber mittlerweile habe ich für mich und meine eigene Lebenseinstellung auch gelernt, dass nicht nur das Endergebnis und auch nicht nur der Weg an sich das Ziel sind, sondern vor allem auch die kleinen Bausteine. Kleine, unscheinbare Steinchen, die man selber baut, die man täglich produziert, manchmal unbewusst, manchmal bewusst, manchmal voller Freude und auch manchmal voller Frustration. Und das ist zugleich das Schwierige. Wir hätten natürlich immer gerne, einfach ins Regal greifen zu können und ein z.B. fertiges Häuschen zu nehmen und das war’s. Aber in der Wirklichkeit sieht es in uns ja doch anders aus – zumindest ist das bei mir so. Ein Beispiel aus der Kindheit – als kleiner Junge gab es in meiner Zeit noch das richtige Lego, aber auch bereits Playmobile. Beide haben ein wenig den selben Ansatz – mit einem Unterschied: bei Lego musste man alles erst selber zusammenbauen, bei Playmobile war alles fertig. Auch wenn leicht unterschiedliche Zielgruppen und Altersgruppen angesprochen wurden, waren sie auf eine gewisse Art gleichwertig, aber glücklicher machte mich dennoch das Lego. Obwohl es nicht vorgefertigt war.

Es war einfach viel spannender aus diesen kleinen Bauteilen auch mal eigene Objekte und Konstruktionen zu bauen, sie eigenhändig zu erschaffen und zu formen, als einfach das fertige Ergebnis vor sich liegen zu haben und Aus. Man konnte damals tatsächlich alle Träume damit ins reale Leben holen, egal ob ein Auto, ein Schiff, ein Flugzeug, ein Haus oder ein Raumschiff. Mal eben einen Kran? Mal eben eine Brücke…? Ein Fantasie-Objekt? Man konnte aus den selben kleinen Bausteinen unendlich viele verschiedenen Dinge bauen – es gab damit so gesehen keine Grenzen. Außer das eigene Ich.

Und deswegen finde ich auch die kleinen Alltags-Bausteine im Leben genauso wertvoll. Mal eine Grafik und Illustration da, einen Buchtext dort, ein Foto hier, ein Video morgen und ein Treffen gestern. Oder Erfahrungen im Alltag. Ein Job. Ein Hobby, eine Idee, ein Experiment, ein Traum. Baustein, Baustein, Baustein. Nur – nicht jedes der Elemente führt dabei natürlich zum gewünschten Ziel und der größte Teil (leider) versinkt auch wieder schnell in der Bedeutungslosigkeit, verschwindet in der großen Legokiste zwischen den anderen tausenden Elementen, wird von Anderen achtlos weg geworfen, man tritt darauf, es wird womöglich kritisiert und mit einem „Mach doch mal was Sinnvolles, was Ernsthaftes, verplempere nicht Deine Zeit mit sowas“ bedacht.

Baut man zaghaft etwas Kleines, dann wird es von denen, die schon Größeres gebaut haben, nur mit einem milden, belustigten Lächeln bedacht. Baut man plötzlich etwas Großes oder gar (ganz gewagt) etwas Eigenständiges, wird natürlich fleißig kritisiert, Fehler gefunden und es als fragwürdig abgestuft. Der Neid, die Angst, die Missgunst, das nicht Greifbare, das zu „Selbstständige“… aber da darf man sich nichts gefallen lassen. Denn die bauen ja ebenfalls ihre eigenen Steinchen mit dem gleichen Ziel.

Je mehr Steinchen man in seinem eigenen Leben erschafft, umso mehr kann man damit spielen, Neues erschaffen, Neues probieren. Und – je mehr Steinchen man hat, umso solider wird das jeweilige Konstrukt. Anfänglich noch ganz kleine, unbedeutende Steinchen formen plötzlich irgendwann solide, große Blöcke. Das Fundament. Eine Basis im Leben.

Und sogar wenn mal eines dieser Konstrukte nicht das halten, was sie versprechen – hat man dennoch genug Material einen anderen Weg mit ihnen zu probieren… vielleicht sogar mit dem selben Ergebnis. Das kann jemand, der nur ganz wenige oder gar keine Bausteinchen formt – und es nicht mal versucht – nicht.

Und diese Einstellung hilft zumindest mir – klar, ich bin definitiv nicht das beste Beispiel für diese Philosophie, ich bin auch nicht besonders erfolgreich im Leben bis jetzt, leite keine Firma oder Millionen-Konzerne, schwimme nicht im Geld, habe keine drei Autos vor der Türe, fahre nicht wöchentlich auf Urlaube, muss die Euros mehrfach umdrehen und könnte mit mehr Drive sicherlich viel mehr erreichen – mein Leben ist eher bescheiden und sehr, sehr überschaubar. Aber ich freue mich trotzdem über jeder dieser kleinen Teile im Leben, denn sie bedeuten innere Freiheit und unendliche Möglichkeiten im Kopf. Und manche Konstrukte finden dann auch den Weg hinaus. Mit 2-3 Steinchen kann ich ein kleines Minihaus bauen, das schnell von der nächsten Spott- und Kritik- sowie Lebenswelle zerstört wird… mit jedoch hunderten oder mehr, lassen sich viel größere, schwerere und stabilere Gebilde bauen.

Das Video inspiriert mich immer wieder und ja, ich habe es bereits mal gepostet. Aber hier hat jemand seinen Traum gelebt, Bausteinchen gebaut, ist gescheitert, hat es wieder probiert und unablässig die Steinchen aufeinander gestapelt. Hat an sich und sein Ich geglaubt. An seine kleinen Bausteine. Nicht jede Idee stellt das Endergebnis da, aber sie schaffen – wenn nichts anderes – neue Ansätze oder mehr Möglichkeiten. Man muss nur an sich glauben, sich nicht von großen Zielen oder Erfolgen blenden und verleiten lassen, sondern sich über jedes kleines Element freuen. Und wenn man damit nicht durchstartet, was durchaus sein kann, dann hat man dennoch etwas erschaffen und vollbracht, mehr als die, die dann am Schluß nur ein paar Steinchen vor sich haben und sich fadisieren und frustriert da sitzen. Denn auch die größten Häuser, Brücken, Firmen, Konzerne, Erfolge und Millionen basieren schließlich oft im Kern auf kleinen Sandkörnern, Fehlschlägen und Irrtürmer.

So… philosophisches Blablabla, dass man recht leicht mit diesem und jenem Gegenargument problemlos kippen kann – das braucht man mir nicht sagen, das weiß ich auch selber. Aber wer einen besseren Weg für sich weiß, soll natürlich den einfach gehen. Und alles ist gut. Ich mag meine kleinen Bausteine und weiß, irgendwann ergeben sie einen Berg.“

Manchmal tut es gut, wenn man auch diese Text-Bausteine sammelt und aufhebt, denn vermutlich hätte ich heute – an diesem ersten Tag im Jahr 2015 – wieder das Selbe geschrieben… und kann jetzt aber aus dem Vorhandenen schöpfen. Unter das Zeichen stelle ich deshalb auch dieses neue Jahr und den daraus resultierenden, weiteren Abschnitt in meinem Leben. 🙂